Landesjugendorchester Sachsen-Anhalt

Das LJO unter Michael Wendeberg (Sommer 2022, Händel-Halle in Halle Saale) © Falk Wenzel

Allgemeines

Zur Förderung der regionalen Musikkultur ist besonders die Unterstützung junger Talente von großer Bedeutung. Für junge Nachwuchsmusiker*innen bietet das Landesjugendorchester Sachsen-Anhalt (kurz LJO) die Möglichkeit, frühzeitig Orchestererfahrungen auf einem musikalisch anspruchsvollen Niveau zu sammeln. Das Orchester soll dabei eine Ergänzung zum Ensembleunterricht an den örtlichen Musikschulen und eine Anschlussförderung an den Wettbewerb „Jugend musiziert“ bieten.

Die Jugendlichen treffen sich zweimal jährlich zu einer zehntägigen Arbeitsphase am Ende der sachsen-anhaltischen Sommer- bzw. Winterferien. Eine Arbeitsphase besteht dabei aus RegisterRegister Reihe von Pfeifen gleicher Klangfarbe und unterschiedlicher Tonhöhe, die über einen Registerzug als Ganzes an- und ausgeschaltet werden können.- sowie anschließenden Tuttiproben. Den Abschluss einer Arbeitsphase bilden Konzerte, in denen das erarbeitete Programm präsentiert wird. 2020 löste Michael Wendeberg den langjährigen Leiter Prof. Heribert Beissel ab, der bis zu seinem Tod im Juni 2021 Ehrendirigent des Orchesters war. Wendeberg wird bei seiner Arbeit mit dem LJO  von Tutoren verschiedener Profiorchester Sachsen-Anhalts, beispielsweise der Staatskapelle Halle, der Anhaltischen Philharmonie Dessau oder der Magdeburgischen Philharmonie unterstützt.

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Das LJO unter Michael Wendeberg (Sommer 2022, Händel-Halle in Halle Saale) © Falk Wenzel

Mitgliedschaft

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Konzert 2017 in der Musikhalle in Hamburg © Landesmusikrat Sachsen-Anhalt

In der Regel sind die Jugendlichen für ca. drei Jahre (also sechs Arbeitsphasen) Mitglied des Orchesters. Im Vorfeld haben sie für die Aufnahme in das Orchester ein Probespiel absolviert oder erhielten als 1. Preisträger*innen des Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“ eine Einladung zur Mitwirkung im Orchester. Eine Aufnahme ins LJO ist frühestens mit 13 Jahren möglich, das Höchstalter liegt bei 23 Jahren.

Das Orchester zählt etwa 70 Mitglieder, von denen jedoch nicht immer alle bei jedem Projekt mitwirken. Das aktuelle Durchschnittsalter liegt bei ca. 17 Jahren. Viele ehemalige Orchestermitglieder sind inzwischen in deutschen Berufsorchestern heimisch geworden und unterstützen das LJO als Dozent*innen.

Als Solist*innen lädt sich das LJO renommierte Künstler ein, bietet aber auch immer wieder besonders begabten Musiker*innen der eigenen Reihen die Gelegenheit, mit großem Orchester solistisch aufzutreten.

Entwicklung und Höhepunkte

Das Landesjugendorchester Sachsen-Anhalt wurde 1992 in Halle (Saale) auf Initiative von Generalmusikdirektor Prof. Heribert Beissel, der seit 1991 Chefdirigent der Halleschen Philharmonie war, vom Landesmusikrat Sachsen-Anhalt im Auftrag des Kultusministeriums gegründet. Im Sommer folgte, noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, das Auftaktprojekt mit der Militärsinfonie von Joseph Haydn. Schließlich begannen die ersten Probespiele im Herbst des Jahres, nach denen das Orchester 47 Mitglieder zählte. Das erste öffentliche Konzert des LJO fand im Februar 1993 im Neuen Theater in Halle (Saale) statt.

Seitdem war das Orchester zu Gast bei diversen Musikfesten, wie dem Jugendmusikfest Sachsen-Anhalt, dem Kultursommer Nordhessen, dem Quedlinburger Musiksommer, dem Bonner Sommer und den Weißenfelser Schlossfestspielen. 1997 und 2001 war das Orchester im Rahmen einer Kooperation mit der Chorgemeinschaft des Landstraßer Bundesrealgymnasiums in Wien zu Besuch.

Im Jahr 2003 spielte das Orchester den Soundtrack für den Animationsfilm „Globi und die gestohlenen Schatten” ein und übernahm die musikalische Umrahmung des zentralen Festaktes der Bundesregierung zum Tag der Deutschen Einheit, welcher vom ZDF live übertragen wurde. Zweimal (2005 und 2011) durfte das Ensemble musikalische Beiträge in die Weihnachtsfeier des Bundespräsidenten, die ebenfalls vom ZDF übertragen wurde, einbringen. Einen weiteren musikalischen Höhepunkt stellte für das LJO 2006 eine Gastspielreise ins französische Orléans dar. Inzwischen hat das Orchester fünf CD-Produktionen veröffentlicht, deren Auflagen jedoch vollständig vergriffen sind.

Kennzeichen der musikalischen Arbeit des Orchesters war immer die stilistische Ausgewogenheit. Während der Mitgliedschaft sollen die Jugendlichen die Möglichkeit haben, alle Gattungen der Musik einmal gespielt zu haben: von der Oper über Sinfonie und Solokonzert bis hin zur Neuen Musik. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf romantischen Sinfonien.

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Das LJO mit Solist Alexandre Castro-Balbi im Nordharzer Städtebundtheater Quedlinburg, 11. Februar 2023 © Galerie Lilou / Lisa Schmidt

Klangbeispiele

Live-Mitschnitt vom 10.08.2009 in der Händel Halle in Halle (Saale):
Klangbeispiele 1-3: 
Max Bruch, 1. Violinkonzert g-Moll op. 26, Violine: Kathy Kang
Klangbeispiel 4-7: Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 1 D-Dur „Der Titan“

1. Satz: Allegro moderato
2. Satz: Adagio
3. Satz: Finale – Allegro energico
1. Satz: Langsam. Schleppend. Wie ein Naturlaut – Im Anfang sehr gemächlich
2. Satz: Kräftig bewegt, doch nicht zu schnell
3. Satz: Feierlich und gemessen, ohne zu schleppen
4. Satz: Stürmisch bewegt

Links

Landesjugendorchester Sachsen-Anhalt (Website des Landesmusikrates Sachsen-Anhalt)

Das Jugendorchester Sachsen-Anhalt spielt auf: So klingt das Land (von Kai Agthe, Mitteldeutsche Zeitung, 07.02.2023)


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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.