Landesverband der Musikschulen Sachsen-Anhalt e.V.

Geschichte

„Man müsste Klavier spielen können …“ Was ein alter Schlager schon vor über 80 Jahren musikalisch ausdrückte, ist auch heute noch aktuell. In Sachsen-Anhalt zieht es etwa 16000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in die öffentlichen Musikschulen. An rund 200 Unterrichtsorten erhalten sie in wöchentlichem Unterricht eine musikalische Grundbildung, erlernen ein Instrument oder musizieren in einem musikalischen Ensemble gemeinsam mit Gleichgesinnten. Die Wartelisten sind lang, besonders in den begehrten Fächern Klavier und Gitarre.
Alle kommunal getragenen Musikschulen des Landes sind im Landesverband der Musikschulen Sachsen-Anhalt e. V. (LVdM) organisiert, einem von 16 Landesverbänden unter dem Dach des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM). Der LVdM wurde am 15. September 1990 im historischen Spiegelsaal des Köthener Schlosses mit 39 Mitgliedsschulen gegründet. Nach zwei Kreisgebietsreformen 1994 und 2007 und mehreren Fusionen von Einrichtungen reduzierte sich deren Zahl auf die heutigen 20 im Verband zusammengeschlossenen Musikschulen. Fünf davon sind in städtischer Trägerschaft, fünfzehn in der eines Landkreises. Aus ehemals drei verbandsinternen Regionen wurden die beiden Regionen Nord und Süd mit jeweils eigenen Regionalsprechern. Die Geschäftsstelle des LVdM befindet sich seit 2016 im Katharinenturm in Magdeburg.  
Als Fachverband für alle musikschulrelevanten Angelegenheiten im Bundesland wird der Verband selbst institutionell vom Land gefördert und gilt, auch dank einer vom Land veranlassten externen Evaluation im Jahr 2015, als Schlüsselinstitution mit Landesrelevanz im Bereich Musikschulen in Sachsen-Anhalt.

Aufgaben

Öffentliche Musikschulen verstehen sich als Kompetenzzentren für musikalische Bildung innerhalb der kommunalen Bildungslandschaft. Sie arbeiten nicht gewinnorientiert und bekennen sich im Sinne der Inklusion zur musikalischen Teilhabe aller Menschen unabhängig von Herkunft und Geldbeutel. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hat es sich der LVdM zur Aufgabe gemacht, durch eine intensive Beratungstätigkeit sämtlicher Musikschulträger, der Landesregierung, des Landtages und der Kommunen die finanzielle Förderung der kommunalen Musikschulen auf eine solide Basis zustellen. Die Verbandsarbeit orientiert sich dabei am Strukturplan des VdM sowie an dem vom Ministerium für Kultur bestätigten Qualitätssystem Musikschule (QsM). Letzteres gibt neben den im Musikschulgesetz festgelegten Landesförderungskriterien die Bedingungen für eine Qualifizierung als staatlich anerkannte Musikschule vor. Der LVdM unterstützt die einzelnen Musikschulen bei der Umsetzung der Qualitätsstandards und der alle 4 Jahre erforderlichen Rezertifizierung.

Der LVdM ist zudem Träger der drei musikalischen Landesensembles Sinfonisches Musikschulorchester Sachsen-Anhalt, Landes-Akkordeon-Ensemble und LandesGitarrenOrchester sowie des Ensembles Junge Musik als Kooperationspartner des Musikalischen Kompetenzzentrums Sachsen-Anhalt. Gleichermaßen sichert er die Ausführung der landesweit vier Regionalwettbewerbe „Jugend musiziert“, übernimmt die Vorauswahl der beiden Förderpreise, organisiert Weiterbildungen für die etwa 800 Lehrkräfte und die Musikschulleitungen und führt die Musikschultage durch.
Darüber hinaus ist der LVdM bereits seit über 20 Jahren Träger des Breitenbildungsprojektes „Musisch-ästhetische Bildung“ (MäBi), bei dem Fachlehrkräfte der Musikschulen an allgemeinbilden Schulen des Landes für alle interessierten Kinder freiwilligen und kostenfreien musikpraktischen Basisunterricht zusätzlich zum „normalen“ Musikunterricht erteilen. Dadurch sollen auch diejenigen Kinder einen Zugang zum kreativ-praktischen Umgang mit Musik erhalten, denen aufgrund gesellschaftlicher oder kultureller Gründe dieser bisher nicht möglich war. Interessierte finden Näheres zu dem Projekt und zu weiteren Aufgaben des LVdM sowie alle aktuellen Informationen wie Konzertankündigungen, Probentermine, Jobangebote und vieles mehr auf der verbandseigenen Website.

Dank der kontinuierlichen Arbeit des LVdM haben die sachsen-anhaltischen Musikschulen insofern bundesweit eine Modellfunktion inne, als sie alle als staatlich anerkannte Bildungseinrichtungen sozusagen die oberste Messlatte der Musikschulqualität erreicht haben. Hierfür wurden sie mit einer besonderen Ermäßigung für die Implementierung von QsM#2, dem verbindlichen neuen Qualitätsmanagement des VdM, belohnt. Zudem erhöhte das Land Sachsen-Anhalt von 2020 an schrittweise die Förderung der Musikschulen, was weitere finanzielle Spielräume eröffnete, u. a. für die Festanstellung von Lehrkräften. Die Anschaffung von 440 iPads macht die Arbeit in den Musikschulen auch im digitalen Bereich zukunftsfähig.

Quellen

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.