Franz, Robert (1815 – 1892)

Robert Franz, Porträt von Adolf Neumann (1825–1884)

Biografie

*28. Juni 1815 in Halle, † 24. Oktober 1892 in Halle

Robert Franz wurde am 28.06.1815 in Halle/Saale unter dem Namen Robert Franz Julius Knauth geboren. Aufgrund der Häufigkeit des Namens Knauth entschloss sich sein Vater, den Nachnamen Franz für sich und seine Kinder anzunehmen.

Robert Franz zeigte früh Interesse an Musik. Obwohl sein Vater zunächst gegen eine musikalische Ausbildung des Sohnes war, erhielt Franz mit Unterstützung seiner Mutter ab 1829 ersten Musikunterricht. Seine Schulzeit an der Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle beendete er 1835 ohne Abschluss, um sich an der Musikschule in Dessau bei Johann Christian Friedrich Schneider in Kontrapunkt, Komposition und Musiktheorie ausbilden zu lassen.

Zeit seines Lebens bildete Franz sich musikalisch weiter und übernahm schließlich 1842 die musikalische Leitung der Singakademie Halle. Seine ersten klavierbegleiteten Sololieder komponierte er 1842/1843 und erhielt dafür lobende Anerkennung von Robert Schumann. 1844 wurde er Organist an der Ulrichskirche in Halle und schließlich 1845, einer Empfehlung von Nils Wilhelm Gade, Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann folgend, zum Universitätsmusiklehrer ernannt, allerdings ohne Besoldung. Im Jahre 1848 heiratete er die Professorentochter Marie Hinrichs, welche selbst eine namhafte Komponistin war. Beide hatten drei Kinder.

Seinen beruflich größten Erfolg durfte er im Jahre 1859 verzeichnen: In diesem Jahr wurde er zum Universitätsmusikdirektor ernannt und konnte nun finanzielle Sorgen vergessen.

Robert Franz hatte bereits seit 1843 mit einem empfindlichen Nerven- und Ohrenleiden zu kämpfen, welches bis zur Taubheit führte. Daher musste er 1867 sämtliche musikalischen Ämter niederlegen. Seine letzte große Ehre erfuhr er im Jahre 1885, als er zum Ehrenbürger der Stadt Halle ernannt wurde. Robert Franz starb am 24.10.1892 in seiner Stadt Halle/Saale.

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Brief von Felix Mendelssohn Bartholdy an Robert Franz CC BY-NC-SA, Stiftung Händel-Haus Halle

Musikhistorische Bedeutung

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Larghetto con grazia. Albumblatt von Robert Franz für Carl Gurckhaus CC BY-NC-SA 4.0, Händel–Haus Halle/Saale

Robert Franz gilt als bedeutender Tondichter, Komponist und Dirigent des 19. Jahrhunderts. Neben seiner Kompositionstätigkeit mit Hauptakzent auf dem klavierbegleiteten Sololied wandte er viel Kraft und Energie für die musikalische Leitung der Singakademie Halle auf. Dabei pflegte er besonders das WerkWerk Werk ist die Zusammenfassung von Gehäuse, Pfeifen und Windlade eines selbstständigen Teils der Orgel. Jedes dieser Teilwerke wird in der Regel mit einer eigenen Tastatur gespielt. Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels und führte ebenso klassische und romantische Chorwerke auf. Zu Beginn der Probenarbeit richtete er stets „eine das Werk analysierende Rede an das Orchester“ (Prochàzka 1914, zit. n. Kienzle 2002/2016). Robert Franz beschäftigte sich ebenfalls mit der Bearbeitung von Werken alter Musik, vor allem von Bach und Händel u. a., um diese dem zeitgenössischen Publikum zu erschließen. Durch Neuinstrumentierung und weitere Eingriffe in die kompositorische Struktur der Originale versuchte er den Kompositionen eine „romantischere” Ausrichtung zu geben und sie den modernen Ansprüchen anzupassen. Diese Bearbeitungspraxis stieß nicht überall auf positive Kritik, ist jedoch aus heutiger Sicht aus dem damaligen Geist des Historismus zu verstehen.

„Franz […] wandte sich statt der ,Zukunft’ lieber der Vergangenheit zu – nicht nur, indem er Werke alter Meister bearbeitete und aufführte, sondern vor allem, indem er musikgeschichtliche Einflüsse in seinen Kompositionen bewusst kultivierte: Altdeutsches Volkslied und protestantischer Choral, Bach und Händel, Schubert und Schumann gehen, wie Franz immer wieder hervorhob, in seinem Liedschaffen eine Symbiose ein. Durch die Orientierung an der musikalischen Vergangenheit wollte Franz dem subjektiven Ausdruck der Texte – er vertonte mit Vorliebe Heine, die Gedichte seines Freundes Karl Wilhelm Osterwald, Lenau, Eichendorff, Mörike und neben anderen repräsentativen Dichtern der Klassik und Romantik auch unbekannte Lyriker seiner Zeit – ein objektives Gegengewicht zur Seite stellen.“ (Kienzle 2002/2016)

Seine Lieder, die sich durch subtile psychologische Deutungen auszeichnen, gelten als durchaus modern im Sinne des 19. Jahrhunderts.

Werke

Robert Franz komponierte mehr als 350 Kunstlieder, geistliche und weltliche Chorwerke und bearbeitete viele Werke u. a. von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart sowie mindestens vier Lieder aus dem Freylinghausenschen Gesangbuch. Seine Chorwerke sind fast durchweg für vierstimmigen, gemischten Chor geschrieben. Bedeutende Beispiele sind:

Sechs Gesänge op. 24

Ave Maria op. 45, 1

Im Mai op. 47, 1

Er ist’s! op. 53, 2

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Robert-Franz-Denkmal am Universitätsring in Halle (Saale), Foto: Susanne Maas

Klangbeispiele

Er ist gekommen op. 4, 7 von Robert Franz mit Playlist für weitere Videos zu „Robert Franz, Lieder” mit Yves Saelens, Tenor und Jan Vermeulen, Piano (Bösendorfer 1851)

Mehrere Klangbeispiele findet man hier.

Literatur

Robert Franz (1815-1892), Bericht über die wiss. Konferenz anläßlich seines 100. Todestages am 23. und 24. Oktober 1992 in Halle (Saale), hrsg. vom Händel-Haus Halle durch K. Musketa, Halle/Saale 1993 (= Schriften des Händel-Hauses in Halle 9).

Ulrike Kienzle, Art. „Franz, Robert”, in: MGG Online, hrsg. von Laurenz Lütteken, Kassel, Stuttgart, New York: 2016ff., zuerst veröffentlicht 2002, online veröffentlicht 2016, https://www.mgg-online.com/article?id=mgg04821&v=1.0&rs=mgg04821.

Rudolph Freiherr von Prochàzka: „Franz, Robert”, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 48, Leipzig 1904, S. 720–730.

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Robert Franz im Stadtbild von Halle
© Jenny Fengler
Links

Werkkatalog (Digitale Robert-Franz-Bibliothek)

Robert Franz als Busnamensgeber bei den Halleschen Verkehrsbetrieben

Ururenkel des Komponisten kommt nach Halle (Zeitungsartikel zum 200. Geburtstag von Robert Franz)

Website der Robert-Franz-Singakademie Halle

Wilhelm-Friedemann-Bach-Haus Halle (mit dem originalen Flügel von Robert Franz)

Brief von Felix Mendelssohn Bartholdy an Robert Franz (Link zum digitalen Museum des Händel-Hauses mit weiteren Informationen)

Autograph (Link zum digitalen Museum des Händel-Hauses mit weiteren Informationen)

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.