Der Wahlköthener und Intendant der Bachfesttage Folkert Uhde prägte den Begriff Konzertdesign. Im Februar wird er im Köthener Dürerbundhaus dazu einen Workshop geben und das Musikland ist als Kooperationspartner dabei. Aber was ist Konzertdesign eigentlich?
Sekt, Brezeln und ernste Gesichter
Wie sieht ein klassisches Konzert aus? Würde man die Folgefrage, was Klassik heutzutage eigentlich meint, einfach mal außen vor lassen und willkürlich ausgewählte Passant:innen nach ihren Vorstellungen fragen, bekäme man wahrscheinlich Antworten wie diese: Ein Orchester spielt Musik auf einer Bühne; das Publikum ist ernst, still, sitzt in Reihen und je weiter vorne der Platz, desto teurer die Karte; in der Pause gibt es Sekt, Selters und Brezeln, die Kellner:innen tragen Hemden, die Musiker:innen Frack, das Publikum wahrscheinlich auch; die Musik ist mindestens 70, eher 170 Jahre alt und von einem westeuropäischen Mann; und so weiter und so fort. Seit einigen Jahrzehnten nimmt die Zahl der Vertreter:innen der Klassikbranche, die sich mit diesen Stereotypen nicht mehr wohlfühlen, stetig zu. Immer mehr Häuser und Orchester setzen neben der klassischen Konzerteinführung auf Vermittlung und Outreach. Nachdem sich anfangs primär gelernte Musiker:innen oder Dramaturg:innen dieser Aufgaben annahmen, sind daraus mittlerweile eigene Professionen geworden. Den Studiengang Musikvermittlung können Interessierte mittlerweile an diversen Universitäten und Hochschulen im deutschsprachigen Raum absolvieren.
Im Windschatten dieser Entwicklung prägte ein Wahl-Sachsen-Anhaltiner einen weiteren Begriff, der weder das Publikum, dem etwas vermittelt wird, noch den zu vermittelnden Gegenstand Musik betrachtet. Stattdessen geht es um die Gestaltung sämtlicher Parameter, die Einfluss auf die Wahrnehmung oder besser das Erleben von Musik haben wie Architektur, Licht und Kontext. Die Entwicklung dieser Gestaltung ist ein komplexer Prozess, das Konzertdesign.

Räume gestalten, Konzerte designen
Den Begriff Konzertdesign prägte Folkert Uhde, seines Zeichens Dramaturg, Kulturmanager, ehrenamtlicher Lokalentwickler und Intendant der Köthener Bachfesttage. Seine Maxime, die Kulturinteressierten in Sachsen-Anhalt wahrscheinlich auch mit etwas anderem verbinden, lautet form follows function. Für die Gestaltung eines erfolgreichen Konzerts, so Uhde, sei es wichtig, zu wissen, was man erreichen wolle. Geht es darum, ein Stück Musik möglichst schön klingen zu lassen oder darum, Menschen für Musik zu begeistern, die sie noch nicht kennen? Ist es das Ziel, im Konzert neue Orte zu entdecken oder darum, Beziehungen aufzubauen? Das sind nur ein paar Beispiele, viel mehr Ziele sind vorstellbar und entsprechen vielseitig können Konzerte gestaltet sein. Dieser Vielseitigkeit geht Uhde als Intendant und künstlerischer Leiter in Köthen und bei den ebenfalls von ihm mitbegründeten Montforter Zwischentönen nach. Hinzu kommen diverse weitere Konzert- und auch Lehrprojekte, darunter auch beim letztjährigen Festival OSTEN in Bitterfeld-Wolfen. Dort zum Beispiel designte er gemeinsam mit Studierenden ein Konzert, dessen Ziel es war, die Geschichte eines Ortes – genauer gesagt der ehemaligen ORWO-Filmfabrik – künstlerisch zu entdecken und erfahrbar zu machen. Dieses Beispiel demonstriert auch einen weiteren Aspekt, der Uhde am Herzen liegt: Kulturräume zu gestalten, heißt auch soziale Räume zu gestalten. Nur folgerichtig ist es also, dass Uhde in Köthen nicht nur als Intendant der Bachfesttage, sondern auch im TRAFO Modellprojekt tätig ist, da sich der Aufgabe verschrieben hat, das Köthener Schlossareal mit Leben zu füllen.
Ein Begriff macht Schule
Mittlerweile kann man wohl sagen, dass Uhde mit dem Begriff einen guten Riecher hatte. Die Konzeption neuer, innovativer Konzertformate nimmt in der Klassiklandschaft – und insbesondere im Rahmen von Klassikfestivals – eine immer größere Rolle ein. Die Frage nach der Zukunft des klassischen Konzerts inspiriert Dramaturg:innen, Ensembles und Musiker:innen zu immer neuen Konzertdesigns. Das eingangs beschriebene traditionelle Konzertsetting habe sich, so Uhde auf seiner Website, viel länger halten können, als es in anderen Kunstformen üblich sei. Etabliert habe es sich immerhin schon im vorletzten Jahrhundert. E-Gitarren, Streaming, Raves und TikTok gab es damals noch nicht. Und wie sehr sich die Welt seitdem auch sonst verändert hat, muss an dieser Stelle wohl kaum ausgeführt werden. Wie also könnte ein Konzert aussehen, dass in diese veränderte Welt passt und die Erwartungen erfüllt, die sich ihm heute stellen? Das Konzertdesign sucht Antworten auf diese Fragen.
In diesem ARD Beitrag aus dem November 2024 erfahrt ihr mehr über das Konzertdesign.


