Händel, Georg Friedrich (1685 – 1759), in Halle

Porträt von G.F. Händel, Reproduktionsfotografie einer gestohlenen Miniatur von Christoph Platzer von ca. 1710
CC BY-SA 4.0, www.museum-digital.de/san/singleimage.php?objektnum=2297&imagenr=2951

Biografie

* 23. Februar 1685 in Halle (Saale), † 14. April 1759 in London

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Georg Friedrich Händel, dessen Geburtshaus seit 1948 das Musikmuseum der Stadt Halle mit Schwerpunkt auf Leben und WerkWerk Werk ist die Zusammenfassung von Gehäuse, Pfeifen und Windlade eines selbstständigen Teils der Orgel. Jedes dieser Teilwerke wird in der Regel mit einer eigenen Tastatur gespielt. des Komponisten beherbergt, ist in seiner Heimatstadt allgegenwärtig. Dabei verbrachte er nur 18 Jahre seines Lebens in seiner Geburtsstadt. Nach einer kurzen Zeit in Hamburg als Geiger und „Maestro al Cembalo“ (Riemann 2012, S. 321) im Orchester der Oper am Gänsemarkt und einem vierjährigen Aufenthalt in Italien wurde Händel 1710 Kapellmeister in Hannover beim Kurfürsten Georg Ludwig, dem späteren König Georg I. von Großbritannien. Bereits 1710 reiste er mit Billigung seines Dienstherrn nach England, wohin er 1712 endgültig übersiedelte und wo er bis zu seinem Lebensende als erfolgreicher Komponist und Opernunternehmer wirkte.

Verlässliche Informationen zu Händels Kindheit und Jugend in Halle sind rar. Hauptquelle ist die frühe, sehr anekdotisch geprägte Biografie Memoirs of the life of the Late George Frederic Handel des Briten John Mainwaring (London 1760), der darin wohl Gespräche mit Händels Sekretär John Christopher Smith verarbeitete, die wahrscheinlich auf Erinnerungen von Händel selbst zurückgehen. Allerdings wurden inzwischen chronologische Ungereimtheiten in dieser Biografie und in der deutschen Übersetzung von Johann Mattheson Georg Friedrich Händels Lebensbeschreibung (Hamburg 1761) nachgewiesen.

Georg Friedrich Händel wurde 1685 als Sohn des sachsen-weißenfelsischen und später kurbrandenburgischen Kammerdieners und Leibchirurgen Georg Händel und seiner Frau Dorothea geboren. Einen Tag später wurde er in der heutigen Marktkirche getauft.

Stand der Vater einer musikalischen Ausbildung des Sohnes zunächst ablehnend gegenüber – er sollte Jurist werden und nicht den “weniger geachteten Beruf des Musikers“ (Marx 2002, Sp. 509) wählen –, förderte die Mutter hingegen schon früh seine musikalische Begabung. Erst ein Besuch am Weißenfelser Hof, bei dem der Knabe – „er „hatte noch das siebende Jahr nicht erreichet“ (Mainwaring 1976, S. 1) – auf der Orgel vorspielte und damit beim Herzog Furore machte, soll Georg Händel vom Talent des Sohnes überzeugt haben. Hofkapellmeister in Weißenfels war zu jener Zeit Johann Philipp Krieger. Der Fürst soll, so Mainwaring, geäußert haben, es „wäre ein Sünde wider das gemeine Beste und die Nachkommen, wenn man die Welt eines solchen anwachsenden Geistes gleich in der Jugend beraubte“ (ebd., S. 6).

Georg Friedrich erhielt daraufhin Unterricht beim Komponisten und Organisten der halleschen Marktkirche (damals Liebfrauenkirche), Friedrich Wilhelm Zachow, der als Musikdirektor der Stadt Halle auch den heutigen Stadtsingechor leitete. Zachow unterrichtete den jungen Händel im Orgel- und Cembalospiel und brachte ihm die Anfänge des Violinspiels bei. Darüber hinaus vermittelte er ihm die „Grundlage der Harmonie“ und „Erfindungskunst“ (ebd., S. 9). Schon früh soll Händel den Lehrer als Organist vertreten und erste „Kirchenstücke mit Stimmen und Instrumenten“ (ebd., S. 10) verfasst haben.

Laut Mainwaring soll Georg Händel mit seinem Sohn auch eine Reise an den Berliner Hof unternommen haben, woraufhin der Kurfürst Friedrich III. ihm anbot, den Knaben auf seine Kosten zur weiteren musikalischen Ausbildung nach Italien zu schicken, „woselbst er sich die besten Meister zu Nutz machen, und Gelegenheit finden würde, alles zu hören und zu sehen, was dort vortreffliches von dieser Art zu hören und zu sehen ist“ (ebd. S. 16). Georg Händel lehnte dieses Angebot jedoch ab. Neben dem Privatunterricht bei Zachow erhielt Händel vermutlich eine umfassende humanistische Bildung am städtischen Gymnasium in Halle.

1701 lernte der 16jährige Händel Georg Philipp Telemann bei dessen Besuch in Halle kennen, mit dem ihn von da an eine lebenslange Freundschaft verband. Folgt man Telemanns Aussagen in seiner Autobiografie in Matthesons Grundlage einer Ehren-Pforte von 1740, hatten die beiden Komponisten im Hinblick auf die kompositorische Gestaltung von „melodischen Sätzen […] bey öfftern Besuchen auf beiden Seiten, wie auch schrifftlich, eine stete Beschäfftigung“. Im Februar 1702 schrieb sich Georg Friedrich Händel, dem Wunsch des 1697 verstorbenen Vaters folgend, an der Universität Halle zum Jurastudium ein, das er aber schon nach kurzer Zeit wieder abgebrochen haben muss. Denn schon im März desselben Jahres übernahm er interimistisch die Organistenstelle an der halleschen Dom- und Schlosskirche, bevor er im Sommer 1703 seine Heimatstadt verließ und nach Hamburg aufbrach.
Im Jahr 1859 anlässlich des 100. Todestages von Georg Friedrich Händel wurde auf dem Marktplatz in Halle das bis heute einzige Händel-Denkmal Deutschlands in einer deutsch-britischen Gemeinschaftsaktion errichtet. Auf dem Holzschnitt im Bild unten sind noch das Alte Rathaus und die Ratswaage, einst Hauptgebäude der halleschen Friedrichs-Universität, zu sehen. Beide Gebäude fielen am 31. März 1945 einem Bombenangriff zum Opfer.

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Händels Geburtshaus in Halle © Georg Maas

Musikhistorische Bedeutung

Bereits im London seiner Zeit war Georg Friedrich Händel ein vom König protegierter Komponistenstar. Sein Werk umfasst fast alle Gattungen, doch der Schwerpunkt liegt auf Oper und Oratorium. Händel brachte die Form der italienischen Opera seria nach England, der er „immer neue musikalisch-dramatische Facetten hinzufügte“ (Marx 2002, Sp. 579), wobei er sich jedoch nicht von der geltenden kompositorischen Norm löste.

Nach dem Zusammenbruch seines Opernunternehmens aufgrund der Konkurrenz durch volksnähere englischsprachige Opern wie die Beggar’s Opera von John Gay und Johann Christoph Pepusch schrieb Händel in seinen späten Jahren hauptsächlich große Oratorien. Mit diesen englischen Oratorien schuf er etwas völlig Neues im Sinne der „Neuschöpfung einer Gattung“ (Marx 2008, S. 526). Er übernahm „kompositorische Merkmale der verschiedensten Genres“ und verschmolz sie zu neuen Ausdrucksformen. Die Wirkung auf den Zuschauer im Sinne einer „neuen Form der Unterhaltung“ (ebd., S. 527) stand für ihn stets über der musikalischen Struktur. Eine Partitur war nie wirklich vollendet und wurde immer an die jeweilige Aufführung, das Publikum und die ausführenden Musiker angepasst.

Händels Orchester- und Kammermusikwerke entstanden teilweise als Intermezzi zwischen Opernakten und Oratorienteilen. Vor allem seine Orgelkonzerte erfreuen sich zusammen mit den Musiken für das englische Königshaus von jeher größter Popularität.

In seiner Heimatstadt Halle entsteht unter der Federführung der halleschen Händel-Gesellschaft seit 1955 die Hallische Händel-Ausgabe als kritische Gesamtausgabe der Werke Georg Friedrich Händels unter Berücksichtigung aller bekannten Quellen. Mit 116 Notenbänden und 10 Supplementen soll sie im Jahr 2023 abgeschlossen sein und stellt damit die größte Komponistenausgabe in Deutschland dar (noch vor Bach und Telemann).

Werke

Georg Friedrich Händel schrieb über 40 Opern (z. B. RinaldoJulius CäsarXerxes) und 25 Oratorien (darunter den Messisas mit dem Halleluja!-Chor, Händels wohl populärstem Werk). Hinzu kommen Kirchenmusik (Anthems als zentrale Gattung der englischen Kirchenmusik des 17. und 18. Jahrhunderts), Orchesterwerke (u. a. zahlreiche Concerti grossi, Orgelkonzerte und Orchestersuiten wie die Wassermusik und die Feuerwerksmusik) sowie Kammermusik.

Schon im Alter von 10 Jahren komponierte Händel angeblich nach eigener Aussage „wie der Teufel“ und am liebsten für die Oboe, die sein „Lieblingsinstrument“ gewesen sei (Charles Burney, S. V). Diese Werke sind alle verschollen.

Zadok the Priest, das erste von Händels Coronation Anthems, ursprünglich entstanden anlässlich der Krönung von König Georg II. im Jahr 1727, wird seitdem traditionsgemäß bei allen Krönungsfeierlichkeiten am britischen Hof gespielt, zuletzt bei der Krönung von Königin Elizabeth II. am 2. Juni 1953. Zugleich diente es als Grundlage für die offizielle Hymne der UEFA Champions League von Tony Britten.

Literatur

Charles Burney, Dr. Karl Burney’s Nachricht von Georg Friedrich Händels Lebensumständen und der ihm zu London im Mai und Jun. 1784 angestellten Gedächtnisfeyer, Übersetzung von Johann Joachim Eschenburg, Berlin und Stettin 1785 (Faksimiledruck im VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig).

John Mainwaring, Georg Friedrich Händels Lebensbeschreibung, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Johann Mattheson, Faksimile der Ausgabe Hamburg 1761, mit einem Nachwort von Walther Siegmund-Schultze, Leipzig 1976.

Hans Joachim Marx, Art. „Händel“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2., neubearbeitete Ausgabe, hrsg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 8, Kassel u. a. 2002, Sp. 509–638.

Hans Joachim Marx, Das Händel-Handbuch in 6 Bänden, Band 6: Das Händel-Lexikon, Laaber 2008.

Riemann Musiklexikon, Aktualisierte Neuauflage in fünf Bänden, hrsg. von Wolfgang Ruf in Verbindung mit Annette von Dyck-Hemming, 13. Aufl., Mainz 2012, Bd. 2, Art. Händel, Georg Friedrich, S. 321–324.

Georg Philipp Telemann, Autobiografie von 1740, hrsg. von Johann Mattheson (abgerufen am 15.08.2017 unter https://de.wikisource.org/wiki/Georg_Philipp_Telemann/Autobiografie_1740).

Links

Stiftung Händel-Haus

Händel-Gesellschaft

Händels Weinberg

Stadtführungen

Link zum „digitalen Museum” des Händel-Hauses mit weiteren Informationen


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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.