Schulgeschichte

„Allseitig gebildete Spezialisten fördern – wir tun es!“ So wirbt die Landesschule Pforta in einem Flyer um begabte junge Menschen. Schülerinnen und Schüler treten hier zwangsläufig in große FußFuß "Fuß" ist ein altes Längenmaß (etwa 30 cm), nach dem im Orgelbau die Pfeifenlänge angegeben wird. Aus der Länge der Pfeife resultiert die Tonhöhe. Eine Pfeife mit der Länge 16′ klingt eine Oktave tiefer als eine von 8′.stapfen, denn die traditionsreiche Bildungsstätte ist eng verbunden mit berühmten Namen. Der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock lernte hier ebenso wie die Philosophen Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Nietzsche.
Hervorgegangen aus einem Zistersienserkloster im Jahr 1543, war es von Anfang an das Anliegen ihres Gründers, des Herzogs und späteren Kurfürsten Moritz von Sachsen, besonders begabten Jungen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft eine exzellente Ausbildung zu ermöglichen, Unterbringung und Verpflegung inklusive. Sie sollten später „dem Land als Lehrer, Wissenschaftler, Beamte oder protestantische Geistliche“ dienen, wie auf der schuleigenen Website zu lesen ist. Inhaltlich war die damalige „Lehranstalt“ altsprachlich orientiert mit Schwerpunkt auf der Wissenschaftssprache Latein.
Nach einer wechselvollen Geschichte im Laufe der Jahrhunderte mit Brüchen insbesondere zu Zeiten des Nationalsozialismus und der DDR bleibt die Landesschule Pforta diesem Grundgedanken der Verbindung von Begabtenförderung und verpflichtendem Internatsleben auch heute noch treu. Schule wird so zum selbstverständlichen Lebensraum für alle Portenserinnen und Portenser, in den auch das Lehrpersonal im Rahmen der Internatsbetreuung integriert ist. Schulisches und soziales Lernen gehen Hand in Hand, man lernt nicht nur gemeinsam, sondern lebt auch miteinander.
Mädchen dürfen die Schule erst seit Ende der 1940er-Jahre besuchen. Ab 1959 geführt als sozialistische Erweiterte Oberschule, fand 1981 mit der Einrichtung von speziellen Sprachenklassen eine Rückbesinnung auf den früheren Sprachenschwerpunkt statt, jetzt allerdings mit neusprachlicher Ausrichtung. Ein Jahr später gründeten engagierte Musiklehrer:innen den Musikzweig. Seit 1990 befindet sich die Schule unter ihrem heutigen Namen in der Trägerschaft des Landes Sachsen-Anhalt. Mit der Einrichtung des naturwissenschaftlichen Zweiges im Jahr 1992 vervollständigte sich das inhaltliche Profil als Spezialschule.
Schulorganisation
Aufgenommen werden Schüler:innen ab der 9. Klasse aus ganz Deutschland nach erfolgreichem Bestehen einer Aufnahmeprüfung in einem der drei inhaltlichen Schwerpunkte Musik, Fremdsprachen oder Naturwissenschaften. In diesen Schwerpunktfächern bekommen sie zusätzlichen Unterricht, sodass es zu keiner Stundenminderung beim regulären Unterrichtsstoff kommt. Spezialisierung wird hier nicht als „Verengung hin zu einseitigem Spezialistentum, sondern als Verbreiterung der gymnasialen Allgemeinbildung auf einem Teilgebiet“ verstanden, so das Konzept der Schule. Alle Absolvent:innen der Landesschule Pforta erhalten neben dem Abiturzeugnis ein Zweigzertifikat sowie ein vom Land erstelltes Begleitschreiben für Bewerbungen an weiterführenden Bildungseinrichtungen wie Hochschulen und Universitäten, das die „hohe Leistungsmotivation, Studierfähigkeit und Teamfähigkeit“ der Abiturient:innen als besondere Qualifikation hervorhebt.
Für den Besuch der Landesschule Pforta ist im Sinne ihres Gründers kein Schulgeld zu zahlen. Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung im Internat bleiben mit Hilfe der finanziellen Förderung des Landes Sachsen-Anhalt – insbesondere für Landeskinder – moderat. Zahlreiche weitere Fördermöglichkeiten und Stipendien helfen zusätzlich, Unterschiede bei den finanziellen Zugangsvoraussetzungen auszugleichen.

Musikzweig

Zusätzlich zum Erwerb der allgemeinen Hochschulreife und damit der Studierfähigkeit in einem beliebigen Studienfach ist es heute spezifisches Ziel des Musikzweiges, die musikalischen Anlagen der Schüler:innen „zu fördern und sie durch eine breit angelegte musikalische Ausbildung und Sensibilisierung zu kompetenten und aktiven Teilnehmern am musikalischen Leben zu machen“.
In den unteren Klassen in Form von Zusatzstunden angeboten, werden die Inhalte der Musikspezialausbildung in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe in einen fünfstündigen Leistungskurs Musik integriert, der entsprechend stärker gewichtet in die Abiturwertung eingebracht werden kann.
Die Schüler:innen erhalten im Rahmen der Spezialisierung Unterricht sowohl in musiktheoretischen als auch in musikpraktischen Fächern. Dazu gehören Musikgeschichte, Musiktheorie/Gehörbildung, Stimmbildung (Gesang) und Klavier als Pflichtinstrument im Einzelunterricht. Außerdem besteht die Möglichkeit der Qualifizierung in einem zweiten Instrument sowie in der Oberstufe im Fach Chorleitung mit anerkanntem Abschluss. Hinzu kommt als wesentlicher Bestandteil der musikalischen Spezialausbildung die Mitwirkung an einem der beiden schuleigenen Chöre. Alle Schülerinnen der 9. und 10. Klassen singen im Mädchenchor, die älteren Mädchen sowie sämtliche Jungen des Musikzweigs im gemischten Jugendchor. Das Renommee der beiden Schulchöre, die auch offen sind für Sänger:innen aus den anderen Zweigen, reicht weit über das Umfeld der Schule hinaus bis hin zu regelmäßigen Preisen bei nationalen und internationalen Wettbewerben sowie zur Einspielung zahlreicher CDs.
Außerdem bestehen mehrere kleinere A-Cappella- und Instrumentalensembles. Bei vielen festlichen Anlässen und Konzerten innerhalb und außerhalb der Schule haben die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, ihr Können auch vor Publikum unter Beweis zu stellen.
Neben den schulischen Ensembles gibt es die von den Jugendlichen in ihrer Freizeit selbst organisierten zweigübergreifenden Schülerbands. Diese sind nur ein Beispiel für die zahlreichen Freizeitaktivitäten aus den verschiedensten Bereichen, die den jungen Menschen weitere Möglichkeiten eröffnen, ihr kreatives Potenzial je nach persönlicher Vorliebe voll auszuschöpfen.
Über das Pädagogische hinaus ist es nicht zuletzt die ganz besondere Atmosphäre des kulturgeschichtlich bedeutsamen Ortes innerhalb der ehemaligen Klosteranlage mit Kreuzgang und Park, die Leben und Lernen in Schulpforte prägt. Auf der Website der bereits mit Schulgründung errichteten Stiftung Schulpforta, die seit Beginn der 2000er-Jahre maßgeblich an der touristischen Erschließung des früheren Klostergeländes beteiligt ist, klingt das so: „Wer Schulpforte einmal besucht hat, kommt gern wieder.“
Klangbeispiele
Quellen
Website der Landesschule Pforta (23.09.2025)
Website der Stiftung Schulpforta (23.09.2025)
Jugendchor der Landesschule Pforta gastiert in Stendal (23.09.2025)