Evangelische Hochschule für Kirchenmusik Halle (Saale)

Klop-Orgel im Eingangsbereich der Ev. Hochschule für Kirchenmusik Halle Foto: Kimuha

Geschichte

 
„Kirchenmusik ist ein Dienst in und an den Kirchgemeinden. Vielerorts strahlt eine aktive und erfolgreiche kirchenmusikalische Arbeit aber weit über den kirchlichen Rahmen hinaus. So werden Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker zu wichtigen kommunalen oder regionalen Musikvermittlern und -pädagogen.“ So beschreibt Prof. Peter Kopp, seit 2017 Rektor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle (EHK) und ehemaliger Chordirigent am Dresdner Kreuzchor, die gesellschaftliche Bedeutung von Kirchenmusik anlässlich der Unterzeichnung des Zuwendungsvertrages zur Förderung der EHK durch das Land Sachsen-Anhalt.
 
Seit Ende der 1930er-Jahre werden in Halle Kirchenmusiker:innen ausgebildet. Die eigentliche Gründung der heutigen Hochschule für Kirchenmusik geht sogar noch weiter auf das Jahr 1926 zurück. Damals richtete das Konsistorium der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen in Aschersleben eine Kirchenmusikschule ein. Mit deren Umzug nach Halle ins ehemalige Schlesische Konvikt im Dezember 1938 und der feierlichen Eröffnung im Januar 1939 begann eine langjährige Tradition der kirchenmusikalischen Ausbildung in der Saalestadt. Doch erst im Jahr 1993 verlieh das Land Sachsen-Anhalt der Einrichtung den Hochschulstatus, heute unter der Trägerschaft der im Jahr 2009 aus den Kirchen Sachsens und Thüringens gebildeten Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Die EHK ist damit nach eigener Aussage „die älteste und zugleich die größte staatlich anerkannte Hochschule für Kirchenmusik in freier Trägerschaft in Deutschland“, wie auf der Website der Hochschule zu lesen ist.
Seit 1998 wird die EHK von der EKM und dem Land Sachsen-Anhalt gemeinsam gefördert. Zusätzlich erhält sie bis 2027 Mittel aus dem Bundesprogramm „Studium und Lehre stärken“.

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Das Gebäude der EHK Foto: Susanne Maas

Ausbildung im Wandel der Zeit

 
War die Ausbildungsdauer in den Anfangsjahren mit zunächst einem Jahr, ab 1929 dann zwei Jahren eher kurz, wurde im Jahr 1939 in Halle eine Staffelung in A-, B- und C-Studiengänge eingeführt mit dem A-Abschluss als höchster Qualifikationsstufe. Auch während der Kriegsjahre, in denen männliche Mitarbeiter und Studenten sukzessive zum Militärdienst einberufen wurden, konnte der Lehrbetrieb mit weiblichen Lehrkräften und Studierenden eingeschränkt weitergeführt werden. Zu Beginn der 1950er-Jahre hatte sich die hallesche Kirchenmusikschule als größte kirchenmusikalische Ausbildungsstätte in Deutschland etabliert.
Als Reaktion auf den Wegfall des Religionsunterrichts an den Schulen der DDR kam es ab 1951 zur Verbindung der halleschen Kirchenmusikausbildung mit einer kirchlichen katechetischen Ausbildung, die in Naumburg oder Potsdam stattfand. Erst im Jahr 1981 gelang es, in Halle ein integriertes vierjähriges Studium mit musikalischen und katechetischen Fächern unter einem Dach zu etablieren.
 
Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde 1992 das „grundständige A-Studium“ eingeführt. Eine neue Studien- und Prüfungsordnung ermöglichte ab 1995 neben der Kirchenmusik ein Aufbaustudium in mehreren künstlerischen Fächern. Ab 2001 wurden auch popmusikalische Inhalte in die kirchenmusikalische Ausbildung aufgenommen.
Mit dem Statuswechsel zur Hochschule begann zudem eine Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), die zunächst auf dem Gebiet der Lehre stattfand und 2001 in einen Kooperationsvertrag mündete. Seit 2002 gibt es einen gemeinsamen Kombistudiengang Bachelor Kirchenmusik / Lehramt Musik an Gymnasien.
 
Die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge im Rahmen des Bolognaprozesses führte im Wintersemester 2011/2012 zur Abschaffung des grundständigen A-Studiums als Diplomstudiengang. Heute entspricht der Bachelor-Studiengang Kirchenmusik in etwa der B-Ausbildung, das Master-Studium der A-Qualifikation, die spätere Anstellungen an „großen“ Kirchen mit A-Kirchenmusikerstellen ermöglicht. Die für nebenberuflich tätige Kirchenmusiker:innen konzipierte C-Ausbildung am Kirchenmusikalischen Seminar der EKM wurde 2015 von Halberstadt nach Halle an die EHK verlegt.
Zwei erfolgreich abgeschlossene Akkreditierungsverfahren in den Jahren 2015 und 2022 bescheinigen der Hochschule auch offiziell die Sicherung vergleichbarer Qualitätsstandards.

Studienangebote heute

 
Neben dem Bachelor- und Master-Studium Kirchenmusik bietet die EHK Masterstudiengänge in den Fächern Künstlerisches Orgelspiel, Chor- und Orchesterleitung, Konzert- und Oratoriengesang und seit 2022 auch in Kirchlicher Popularmusik an.
Zusätzlich zum Kombistudiengang Bachelor Kirchenmusik / Lehramt an Gymnasien führt ab dem Wintersemester 2025/2026 ein weiterer Lehramtsstudiengang in Kooperation mit der MLU Musiker:innen mit einem künstlerischen oder künstlerisch-pädagogischen Studienabschluss im Fach Musik zu einem Master of Education, der für das Unterrichten als Quereinsteiger an einer Sekundarschule oder einem Gymnasium qualifiziert.
 
Zum Üben an der Orgel als wichtigstem Instrument für angehende Kirchenmusiker:innen sowie für den Unterricht stehen den Studierenden mehrere Orgeln innerhalb des Hochschulgebäudes zur Verfügung. In der Aula befindet sich seit 2019 ein neues großes Instrument der Firma Eule mit drei ManualenManual Klaviatur für die Hände.. Zahlreiche weitere bedeutende Orgeln in Kirchen des Stadtgebietes von Halle können ebenfalls genutzt werden, darunter die Schuke- und die Reichel-Orgel in der Marktkirche sowie die Sauer-Orgeln in der Moritzkirche und der Konzerthalle Ulrichskirche.
 
Die Hochschule unterhält mehrere Chöre und Blechbläserensembles, allen voran der renommierte Konzertchor mit bis zu 90 Sänger:innen unter der Leitung von Peter Kopp. Er steht neben Angehörigen der Hochschule auch sangeskundigen Gästen offen und gibt zwei bis drei Konzerte im Jahr. Hinzu kommt jährlich eine Konzertreise.
 
Um an der EHK im Herzen von Halle studieren zu können, müssen Interessierte eine Eignungsprüfung ablegen. Details zu den Anforderungen für die verschiedenen Studiengänge sind auf der Website der Hochschule nachzulesen. Angeboten wird zudem eine Nachwuchsförderklasse für Jugendliche und junge Erwachsene in den Fächern Orgel und Klavier zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung. Darüber hinaus gibt es für Interessierte die Möglichkeit, als Gasthörer:innen an Lehrveranstaltungen teilzunehmen.

Räumliche Anbindung

 
Im Jahr 2001 zog die EHK in ein modernes und für die spezifischen Erfordernisse des Kirchenmusikstudiums konzipiertes Gebäude im Händelhaus Karree in Halles Altstadt in unmittelbarer Nähe der beiden Abteilungen für Musik der MLU. Die Bedingungen sind ideal, denn geübt werden kann rund um die Uhr. Eine hochschuleigene Bibliothek befindet sich im ersten Obergeschoss, die unter anderem mit der Bach-Kantaten-Bibliothek Aufführungsmaterialien zu 55 Kantaten von Johann Sebastian Bach enthält. Die Musikbibliotheken der Stadt Halle, der Universität und des Händel-Hauses sowie das Händel-Haus selbst sind nur wenige Schritte entfernt.
 
Mit rund 60 Studierenden ist das Verhältnis untereinander und zu den Dozierenden familiär, viele der Veranstaltungen finden im Einzelunterricht statt. Das vertrauensvolle Miteinander ist sicher einer der Gründe dafür, dass manche die Hochschule einen „Ort der Glückseligen“ nennen, wie Rektor Peter Kopp 2025 im Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung verrät.
 

Klangbeispiele

 
Die Eule-Orgel in der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle, KMD Prof. Wolfgang Kupke erklärt und präsentiert die im November 2019 eingeweihte Orgel (Hermann Eule Orgelbau Bautzen, opus 699) in der Aula (13.08.2025)
 
Reinhard Ohse (1930–2022), Te Deum für gemischten Chor, op. 132, Chor der Ev. Hochschule für Kirchenmusik Halle, Leitung: Prof. Peter Kopp (13.08.2025)

Quellen

 
Website der EHK (13.08.2025)
 
Die EHK beim Deutschen Musikinformationszentrum (miz) (13.08.2025)
 
Montag, Andreas (2025): Die fleißigen Glückseligen, Artikel in der Mitteldeutschen Zeitung vom 1./2. Februar 2025.

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.