Gänschals, Carl (1847 – 1906)

Johann Friedrich Theodor Gänsehals alias Carl Gänschals

Biografie

21. Dezember 1847 in Stolberg, † 28. Januar 1906 in Leipzig

Der 1847 in Stolberg im Harz geborene Salonkomponist Johann Friedrich Theodor Gänsehals trat für die Veröffentlichung seiner zahlreichen Kompositionen (mehrere Hundert Opera bei verschiedenen Verlagen) unter den Pseudonymen Carl Gänschals, Theodor Espen und Elise Zerni(c)kow in Erscheinung. Über sein Leben sind kaum Informationen zu erhalten. Die größte Zahl seiner Werke (453 Opusnummern) erschien unter dem Namen Carl Gänschals bei F. Portius in Leipzig (seit 2003 Musik-Kral in Mauerkirchen, Österreich). Unter dem Pseudonym Theodor Espen wurden 69 Werke vom Verlag Ernst Eulenburg in Leipzig veröffentlicht.

Musikhistorische Bedeutung und Werke

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Geburtshaus von Carl Gänschals in Stolberg © Susanne Maas
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Gedenktafel am „Café Hohenzollern“
Susanne Maas

Carl Gänschals komponierte fast ausschließlich Klaviermusik, die zu seiner Zeit sehr beliebt war und vermutlich wegen ihres Melodiereichtums und der leichten Spielbarkeit große Verbreitung fand. Dabei handelt es sich um technisch anspruchslose Salonkompositionen und Fantasiestücke über Lieder (s. Link: Klassika).

Gänschals’ Stücke tragen Titel wie Holdes ErwachenWeihnachtsjubelWunderblumen oder Im Blumenhain. Die Notenausgaben entsprachen dem für die Salonmusik seiner Zeit typischen Muster: “Ausstattung und Präsentation waren ganz auf den Warenmarkt zugeschnitten […] mit typographisch auffällig gestaltetem Titelblatt” (Ballstaedt 1998, Sp. 861). Seit den 1870er-Jahren wurden gerne mehrere Stücke in sogenannten Salon-Alben zusammengefasst (Beispiel hier).

Als Gänschals’ verbreitetste Werke gelten „Schorle Morle” (Download hier) und „Heimweh”. Letzteres wurde vom Komponisten und Zeitgenossen Hermann Richard Wenzel (1863–1944) für gemischten Chor mit Klavierbegleitung bearbeitet.

Der Musikwissenschaftler Dr. Donald Preuß, Bremerhaven, hat eine Liste sämtlicher Werke mit Opuszahl erstellt (Quellen: 1. Nachweise des Verlagsinhabers des Fr. Portius-Verlages, Musik-Kral, Mauerkirchen, Österreich; 2. Sichtung und Sammlung alter Einzelausgaben; 3. Hofmeisters Handbuch der Musikalischen Literatur).

Gänschals’ Geburtshaus in Stolberg ist heute das zum Hotel „Stolberger Hof“ gehörende „Café Hohenzollern“. Hier wird die stets mit der leichten Muse assoziierte Kaffeehaustradition weitergeführt (inkl. „Gänschals-Torte”). Eine Gedenktafel an der Vorderseite des Hauses erinnert an den Komponisten.

Klangbeispiele

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Notenblatt von Carl Gänschals, Museum Laufental in CH-4242 LAUFEN

Noten zum Download

Zahlreiche weitere Stücke von Carl Gänschals finden sich hier (Petrucci Music Library).

Literatur

Andreas Ballstaedt, Tobias Widmaier, Salonmusik. Zur Geschichte und Funktion einer bürgerlichen Musikpraxis ( = Archiv für Musikwissenschaft, Band XXVIII), Stuttgart 1989.

Andreas Ballstaedt, Art. „Salonmusik”, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2., neubearbeitete Ausgabe, hrsg. von Ludwig Finscher, Sachteil, Bd. 8, Kassel u. a. 1998, Sp. 854–867.

Dr. Donald Preuß, Die Nachahmung von Zupfinstrumenten auf dem Klavier am Beispiel der Kompositionen für Salonmusik op. 55 (Zitherklänge), op. 77 (Mandolinenklänge) und op. 149 (Harfenklänge) von Carl Gänschals (1847-1906), in: Zither, Magazin des Deutschen Zithermusik-Bundes e. V., #01 2022, S. 36, 37 und 39.

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.