Sackpfeifen in Sachsen-Anhalt

Steffen Fischer in seiner Werkstatt © Hans-Peter Wolf

Geschichte

Dudelsäcke kamen im Mittelalter vermutlich durch die Kreuzfahrer nach Europa. Bereits in gotischen Kirchen wurden auf Gemälden und Wandzeichnungen Engel und Dämonen mit diesem ehemals aus einer Schweinsblase hergestellten Instrument dargestellt. Auch in der höfischen Kultur tauchte die Sackpfeife auf, wie eine Abbildung in der Manessischen Liederhandschrift aus dem 14. Jahrhundert zeigt (s. u.). Dudelsäcke kamen im Mittelalter vermutlich durch die Kreuzfahrer nach Europa. Bereits in gotischen Kirchen wurden auf Gemälden und Wandzeichnungen Engel und Dämonen mit diesem ehemals aus einer Schweinsblase hergestellten Instrument dargestellt. Auch in der höfischen Kultur tauchte die Sackpfeife auf, wie eine Abbildung in der Manessischen Liederhandschrift aus dem 14. Jahrhundert zeigt.

In Renaissance und Barock finden sich Sackpfeifen in zahlreichen musiktheoretischen Schriften, so bei Martin Agricola, der von 1519 an Musiklehrer in Magdeburg war, in dessen Instrumentenkunde „Musica instrumentalis deudsch“ von 1529.

Michael Praetorius, Organist in Gröningen bei Halberstadt im Dienste des Halberstädter Bischofs und Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg, zeigt im zweiten Band seiner musikhistorisch bedeutenden musiktheoretischen Schrift „Syntagma musicum“ von 1619 mehrere verschiedene Typen von Sackpfeifen (siehe Abbildung unten).

Im 19. Jahrhundert waren es Hirten, Bauern und Angehörige einfacher Schichten, die Sackpfeife spielten. Später geriet der Dudelsack in weiten Teilen Europas zunehmend in Vergessenheit. In Deutschland erlebten Sackpfeifen erst in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts im Rahmen eines neu erwachten Interesses an regionaler Volkskultur und historischer Aufführungspraxis eine Renaissance. Es entstanden erste Rekonstruktionen von Instrumenten, da mit der „Rostocker Spielpfeife“ aus dem 15. Jahrhundert nur noch ein einziges mittelalterliches Original-Instrument erhalten ist.

Durch das Aufkommen zahlreicher Mittelaltermärkte mit Gauklern und Spielleuten ist die Nachfrage nach Dudelsäcken inzwischen groß. Auch in der Rock- und Metalmusik werden mit der Rückbesinnung auf mittelalterliche Musizierformen Dudelsäcke eingesetzt (Mittelalter-Metal). Ein Beispiel ist die 1995 in Berlin gegründete Band „In Extremo“.

Historische Darstellungen von Dudelsackspielern in der Region finden sich beispielsweise am Roland vor dem Magdeburger Rathaus (Rückansicht), auf einer Wange des historischen, um 1363 entstandenen Chorgestühls im Magdeburger Dom, in der Johanniskirche in Wernigerode und am Rathaus in Wernigerode. Ein Dudelsack spielender Esel ist am Gasthof „Zum Goldenen Esel” in Weißenfels zu sehen.

In Quedlinburg fand von 2010 bis 2017 jährlich das „Bagpipe & Drums Festival in Quedlinburg(h)” für Freunde schottischer Dudelsackmusik statt.

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Sackpfeifer aus dem Codex Manesse (zwischen 1305 und 1340) Gemeinfrei

Klangbeispiele

Hörproben auf der Website von Steffen Fischer

N 8 Anglois (aus dem Wernigeröder Tanzbüchlein von 1786, Jan Kristof Schliep, Säckpipa)

N 1 Engl. (aus dem Wernigeröder Tanzbüchlein von 1786, Matthias Branschke, Säckpipa)

Barbarossa Pipes & Drums (Konzert in der Kulturscheune Othal 2016)

Fischer, Steffen (Sackpfeifenmacher)

Steffen Fischer, geboren 1970 in Magdeburg, baut Dudelsäcke, auch „Sackpfeifen“ genannt, und historische Blasinstrumente wie Rauschpfeifen, Renaissanceschalmeien, Pommern, Cornamusen, Mirlitons und Bombarden.

Besonders beim Dudelsackbau ist die Vielfalt an Bauweisen und Stimmungen groß. Je nach Art der zu spielenden Musik unterscheiden sich mittelalterliche, englische (English Smallpipe), schottische (Scottish Smallpipe), bretonische (Binou) und italienische (Sordellina) Formen. Manche Instrumente sind zurückhaltend und leise (Hümmelchen), andere kräftig und laut (mittelalterliche Dudelsäcke). Alle Dudelsäcke Fischers sind Einzelanfertigungen und können je nach Wunsch individuell verziert werden. Auf seiner detailreichen Website stellt Steffen Fischer mit Hilfe von Bildern und Hörbeispielen die einzelnen Varianten vor.

Pädagogische Angebote

Gruppenführungen durch die Werkstatt von Steffen Fischer sind auf Anfrage möglich.

Kontakt 

Steffen Fischer
Magdeburger Str. 9-10
06366 Köthen
Tel: +49 (0) 3496 218024
E-Mail: kontakt@sackpfeifenmacher.de

Links

Website von Steffen Fischer

Warm, weich und etwas derb, von Sylke Hermann, Mitteldeutsche Zeitung, 29.08.2021

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.