Biografie
Michael Vehe wurde um 1480 in Biberach bei Heilbronn geboren. Er trat um 1500 dem Dominikanerorden bei und wurde Prior im Kloster in Wimpfen (Württemberg), widmete sich ab 1506 in Heidelberg dem Studium, lehrte am gleichen Ort ab 1508 als Dozent und wurde 1513 zum Doktor der Theologie promoviert. Nach seiner im Jahr 1515 erfolgten Ernennung zum Regens des Heidelberger Ordensstudiums fungierte er ab 1519 als Prior des Heidelberger Dominikanerkonvents.
Um 1528 trat Dr. Michael Vehe als theologischer Berater des Mainzer Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490–1545) in Erscheinung, der ihn um 1530 als katholischen Geistlichen zum Propst des 1519 errichteten „Neuen Stifts“ berief und ihn neben dem Humanisten Crotus Rubeanus (gest. 1541) als Professor der geplanten katholischen Universität vorsah. Deren Errichtung war in Halle beabsichtigt, nachdem Clemens der VII. im Jahr 1531 das päpstliche Privileg für die Universitätsgründung, möglicherweise als Gegenpol zur Wittenberger alma mater, erteilt hatte. In dieser Zeit zählte Michael Vehe auch zu jenem Personenkreis, der auf dem Reichstag zu Augsburg offiziell beauftragt war, das Augsburgische Bekenntnis der Lutheraner zu widerlegen und die römisch-katholische Position zu verteidigen. 1539 wurde Vehe zum Weihbischof von Halberstadt ernannt, starb jedoch noch vor Amtsantritt im April des gleichen Jahres in Halle.
Musikhistorische Bedeutung

Michael Vehe erlangte nicht nur als Autor theologischer Schriften, sondern auch als Dichter und Herausgeber von Kirchenliedern Bedeutung. Er gab 1537 Ein New Gesangbüchlin Geystlicher Lieder, vor alle gutthe Christen nach ordenung Christlicher kirchen heraus, eines der ersten katholischen Gesangbücher mit Melodien, und verband damit die Intention, den katholischen Glauben durch das Lied wieder neu beleben zu können.
Dieses Gesangbuch, welches 52 Liedtexte und 47 Melodien, teilweise aus zeitgenössischen, teilweise aus älteren Schriften beinhaltet, war dem halleschen Ratsmeister Caspar Querhamer gewidmet, der in etlichen Beispielen auch als Autor fungierte. Vehe selbst bezeichnete sich als „Sammler“ dieser Gesänge, hat vermutlich aber auch selbst verfasste Texte beigesteuert. Neue Melodien sind u. a. von den beiden halleschen Hoforganisten Wolff Heintz und Johann Hoffmann enthalten, dazu acht metrische Psalmen und deutsche Fassungen des Vater Unser, Ave Maria, Te Deum, der Zehn Gebote, des Salve regina und Magnificat sowie mehrere bekannte lateinische Hymnen und Sequenzen. Die Anlage des Gesangbuchs lässt die Vermutung zu, dass Vehes Intention darin bestand, den Gemeindegesang in deutscher Sprache stärker in die Liturgie zu integrieren. Hinsichtlich der Verortung der Gesänge finden sich Hinweise, dass diese vor und nach der Predigt sowie bei Prozessionen erklungen sind. Die zweite Auflage des Gesangbuchs erschien 1567 in Mainz, darüber hinaus wurden einige Lieder daraus im selben Jahr in Johann Leisentritts (1527–1586) Gesangbuch Geistliche Lieder und Psalmen (Bautzen 1567) aufgenommen.
Werke (nach NDB und MGG Online)
Von dem Gesatz der nyessung des heyligen hochwirdigen Sacraments in eyner Gestalt, Leipzig 1531
Wie underschydlicher weiß Gott und seine auserwelten Heiligen von uns Christen sollen geehret werden, Leipzig 1532
Erretung der beschuldigten Kelchdyeb vom neuen Bugenhagischen galgen, 1532, veröff. Leipzig 1535
Assertio sacrorum quorundam axiomatum, Leipzig 1535
Ein New Gesangbüchlin Geystlicher Lieder vor alle gutthe Christen nach ordenung Christlicher kirchen, Leipzig 1537, Mainz 1567
Noten und Texte zum Download
Michael Vehe: Wer unterm Schutz des Höchsten steht (Melodie), in: Ein New Gesangbüchlin Geystlicher Lieder, vor alle gutthe Christen nach ordenung Christlicher kirchen, Leipzig 1537, S. 24, Quelle: Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Signatur: 8 H E RIT I, 9475 RARA, Lizenz: Public Domain Mark 1.0 (PDM)
Michael Vehe: In Gottes namen fahren wir (Text) , in: Ein New Gesangbüchlin Geystlicher Lieder, vor alle gutthe Christen nach ordenung Christlicher kirchen, Leipzig 1537, S. 45, Quelle: Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, 8 H E RIT I, 9475 RARA, Lizenz: Public Domain Mark 1.0 (PDM)
Klangbeispiele
In Gottes Namen fahren wir, altes Gotteslob GL 303, Musik und Produktion: Andreas Walke 2023
Literatur
Katalog der Deutschen Nationalbibliothek; URL: https://portal.dnb.de/opac/showSearchForm?selectedCategory=dnb.dma.
Konstanze Musketa, Musikgeschichte der Stadt Halle. Führer durch die Ausstellung des Händel-Hauses, Halle an der Saale 1998, S. 11–12.
Anthony Ruff, Art. „Vehe, Michael“, in: MGG Online, hrsg. von Laurenz Lütteken, New York, Kassel, Stuttgart 2016ff., zuerst, im Jahr 2006; URL: https://www.mgg-online.com/article?id=mgg13281&v=1.0&rs=mgg13281&q=michael%20vehe (11.03.2024).
Walter Serauky, Musikgeschichte der Stadt Halle, Bd. 1, Halle/Bln. 1935, S. 159–175.
Erich Wenneker, Art. „Vehe, Michael“, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XII, Bautz, Herzberg 1997, Sp. 1188–1189; URL: https://www.bbkl.de/index.php/frontend/lexicon/V/Ve/vehe-michael-72474 (11.03.2024).
Links
Michael Vehe, in: Deutsche Digitale Bibliothek (11.03.2024)