Allgemeines
Friedrich Wilhelm Wäldner wurde am 8. Juni 1785 im thüringischen Olbersleben geboren. Erwähnung in Halle fand er erstmalig 1811 als Orgelbauergeselle und 1814 als Orgelbaumeister. Bei wem er lernte, ist nicht eindeutig nachweisbar. Die Wäldner’sche Werkstatt in der Großen Klausstraße in Halle wurde um 1815 gegründet, nachdem Friedrich Wilhelm in diesem Jahr das hallesche Bürgerrecht erhalten und geheiratet hatte. In verschiedenen Quellen wird ein Bruder namens Christian erwähnt, der mit ihm zusammen arbeitete. In den halleschen Adressbüchern wird aber Friedrich Wilhelm als Orgelbauer und somit Betreiber der Werkstatt geführt, die er 1851 direkt auf seinen Sohn August Ferdinand übertrug. Friedrich Wilhelm Wäldner litt in den letzten Jahren seines Lebens an einer Lähmung und starb am 14. März 1852 in Olbersleben.
August Ferdinand Wäldner wurde am 29. August 1817 in Halle geboren und arbeitete bereits als 17-Jähriger mit Vater und Onkel zusammen. Mit 22 Jahren ist er als Geselle bei seinem Vater nachweisbar. Als früheste Gemeinschaftsneubauten aller drei Wäldners nachgewiesen sind die Orgeln in Unterfarnstädt (1843) und in der Paul-Gerhardt-Kapelle in Gräfenhainichen (1844).
Höhepunkt im Schaffen von Friedrich Wilhelm Wäldner war der Auftrag zum Neubau der halleschen Domorgel (1847–1851), die er zusammen mit seinem Sohn baute. Die Fertigstellung des Instrumentes verzögerte sich durch die Krankheit des Vaters und das Einziehen von Mitarbeitern zum Militärdienst. Es handelt sich mit zwei ManualenManual Klaviatur für die Hände. und PedalPedal Klaviatur für die Füße. sowie 33 RegisternRegister Reihe von Pfeifen gleicher Klangfarbe und unterschiedlicher Tonhöhe, die über einen Registerzug als Ganzes an- und ausgeschaltet werden können. um die größte Orgel, die die Werkstatt jemals verließ.
August Ferdinand Wäldner führte den Betrieb bis etwa 1897 und starb am 30. Juli 1905 in Halle. Das Haus in der Großen Klausstraße 15 wurde von den Erben an den Kaufmann Paul Wernicke verkauft.
Seit dem 23. Januar 2020 schmückt eine Gedenktafel den 1985 errichteten Plattenbau gegenüber dem Ackerbürgerhof in der heutigen Salzstraße 4 in Halle, an dessen Stelle sich vorher die Werkstatt der Wäldners befunden hatte.

Instrumente
Nachdem sich Friedrich Wilhelm Wäldner in den ersten Jahren nach Eröffnung seiner Werkstatt lediglich mit Reparaturen und Stimmungen über Wasser hatte halten müssen, entstanden ab 1822 die ersten Orgel-Neubauten. Es handelte sich dabei vorrangig um kleine einmanualige Dorforgeln. Ab 1828 erlebte das Geschäft einen Aufschwung. Das Personal wurde aufgestockt und es wurden auch zweimanualige Orgeln für größere Kirchen gebaut, diese ebenso vorwiegend im ländlichen Raum.
Mit der Übernahme des Geschäftes durch August Ferdinand erhielt die Werkstatt zunehmend größere Aufträge. Zwischen 1860 und 1870 entstanden 14 Instrumente, neun davon waren zweimanualige Orgeln mit bis zu 24 Registern. Darunter waren auch Orgeln für die halleschen Kirchen Sankt Georg und Sankt Laurentius, die beide nicht mehr existieren. Insgesamt verließen in 82 Jahren etwa 100 Orgel-Neubauten die Werkstatt. Ein Großteil der Instrumente, von denen fast 50% noch erhalten sind, befindet sich im heutigen Saalekreis (u. a. in Lettin, Lieskau, Brachwitz, Salzmünde) sowie in Brandenburg.
Bei den Instrumenten, die in der Wäldner’schen Werkstatt entstanden, handelt es sich ausschließlich um Orgeln mit mechanischer SchleifladeSchleiflade Häufigste Form der Windlade mit einem verschiebbaren Brett (Schleife), mit dessen Hilfe die Register gesteuert werden können.. In der Disponierung folgen sie weitestgehend dem romantischen Klangideal, das sich in einer Häufung von Grundstimmen sowie dem vermehrte Auftreten von Orchesterstimmen, insbesondere Streichern, zeigt (vgl. Wünsche 2006, S. 58).
„Die gesamte Anlage der Orgeln mündet bei Vater und Sohn in einer beispiellos guten handwerklichen Ausführung, wobei alles auf den praktischen und zuverlässigen Gebrauch ausgelegt ist, der dem Land gerecht wird. Konstruktiv zeitlos, überdauerten die Instrumente verborgen bis zu über einem Jahrhundert und leisteten ‚still‘ ihren Dienst. Kein Markenzeichen oder Ähnliches deutet auf den Erbauer. Die Qualitäten sind daher in der Schlichtheit aller Dinge zu sehen.“ (Wünsche 2006, S. 67)
Die Wäldners verschlossen sich – anders als die „großen“ Orgelbauer ihrer Zeit und Region, Friedrich Ladegast in Weißenfels und Wilhelm Rühlmann in Zörbig, – weitestgehend den technischen Neuerungen des romantischen Orgelbaus, wie beispielsweise der KastenladeKastenlade Form der Windlade, bei der alle Pfeifen eines Werkes auf einem gemeinsamen, nicht weiter unterteilten Windkasten stehen im Gegensatz zur Tonkanzellenlade (alle Pfeifen, die von derselben Taste auf der Klaviatur angesprochen werden, haben eine eigene Windkammer oder Kanzelle) und Registerkanzellenlade (zu jedem Register eines Werkes gehört eine Kanzelle). und pneumatischenPneumatisch Die Steuerung erfolgt mit Hilfe von Luftdruck. TrakturenTraktur Übertragungssystem zwischen Tasten (Spiel- oder Tontraktur) bzw. Registerzügen (Registertraktur) und den Pfeifenventilen., und blieben dem 18. Jahrhundert konstruktiv verhaftet. Es war sicher auch diese „Beständigkeit“, die dazu führte, dass die Wäldner’sche Werkstatt dem Vergleich mit den führenden Orgelbauern Deutschlands nicht standhielt (vgl. Wünsche 2006, S. 68). Allerdings führte vielleicht gerade diese „Zeitlosigkeit“ der Wäldner-Orgeln dazu, dass sie in ihren Dorfkirchen alle politischen Wirrnisse überdauerten und von tiefgreifenden Umbauten verschont blieben.
Ein erster verdienstvoller Schritt, die Orgelbauerfamilie Wäldner aus ihrem „Nischendasein“ herauszuholen, ist dem halleschen Musikwissenschaftler Michael Wünsche zu verdanken, der im Jahr 2006 seine Magisterarbeit dem Leben und Schaffen der Familie Wäldner widmete (s. u. Literatur und Links).
Klangbeispiele
Orgel Lettin (August Ferdinand Wäldner 1860), Max Drischner (1891–1971), Choralvorspiel Herr Gott, dich alle loben wir (1952), Johannes Richter (Orgel)
Wäldner-Orgel im Dom zu Halle vor der Restaurierung 2017 (MDR Kultur, Interview vom 11.6.2017 mit Claus Fischer, Kirchenmusiker Gerhard Noetzel und Musikwissenschaftler Michael Wünsche)
CD-Einspielung:
Michael Schönheit – Die Wäldner-Orgel im Dom zu Halle (jpc, mit Klangbeispielen)
Mit Werken von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Liszt legt der Merseburger Domorganist Michael Schönheit die ersten Aufnahmen der Wädner-Orgel im Dom zu Halle nach Fertigstellung der Restaurierung im Jahr 2018 auf CD vor.
Literatur
Michael Wünsche, Die hallesche Orgelbauerfamilie Wäldner. Leben und WerkWerk Werk ist die Zusammenfassung von Gehäuse, Pfeifen und Windlade eines selbstständigen Teils der Orgel. Jedes dieser Teilwerke wird in der Regel mit einer eigenen Tastatur gespielt., Bd. 1: Textteil (https://waeldner-orgel.de/images/pdf/AAA_Magisterarbeit_Band_I.pdf), Band 2: Bildteil (https://waeldner-orgel.de/images/pdf/AAA_Magisterarbeit_Band_II_Mail.pdf), Magisterarbeit, Halle 2006, abgerufen am 05.02.2020.
Links
https://www.waeldner-orgel.de, informative Website zur Orgelbauer-Familie Wäldner von Michael Wünsche (s. o.)
Orgelbauer Friedrich Wilhelm Wäldner. Späte Ehre für Meisterleistung (von Jonas Nayda, Mitteldeutsche Zeitung, 24.01.2020)