Als Begegnungsort des musikalischen Nachwuchses und zum Üben von Situationen mit besonderer künstlerischer Herausforderung wurde der Wettbewerb Jugend musiziert konzipiert. Dass diese besondere Situation die Teilnehmer:innen unterschiedlich herausfordert, wird im Gespräch mit Musiker:innen klar. Das Musikland Sachsen-Anhalt hat sich mit einigen Teilnehmerinnen unterhalten und schaut hinter die Kulissen.
Für Schüler:innen an Musikschulen gibt es feststehende Projekte, die über die wöchentliche Unterrichtssituation hinausgehen: So werden die Kinder und Jugendlichen bei Musizierabenden oder gemeinsamen Konzerten mit der Situation konfrontiert, wie es sich anfühlt, vor Publikum zu spielen. Ein Wettbewerb geht hier natürlich noch viel weiter: Das Spielen vor einer Jury hebt die Anspannung der Wettbewerbsteilnehmer:innen an und kann auch motivierend sein. Doch auch für Musikschullehrer:innen, Instrumentallehrende und Gesangslehrer:innen kann der musikalische Wettbewerb eine Plattform des gemeinsamen Austauschs und Vernetzens sein. Hier erhält man wertvolle Anregungen zu nicht so geläufigem Repertoire, sieht auch einmal außergewöhnlichere Besetzungen oder Instrumente.
Zum Landeswettbewerb Jugend musiziert kommen jährlich die jungen Musiker:innen zusammen, die die Regionalwettbewerbe ihrer Region gewonnen haben. In Sachsen-Anhalt waren das die Regionen Magdeburg, Halle, Dessau-Roßlau und Altmark.
Für die in der Kategorie „Musical“ angetretene Sängerin Wêndênso Habibou Bernice Schulze aus Lutherstadt Wittenberg war der Wettbewerb eine Herausforderung: „Ich dachte, ich komme nicht weiter, aber als ich es erfahren habe, war ich so stolz auf mich.“ Dass der Wettbewerb ganz besondere Momente schafft, durfte die Dreizehnjährige in verschiedenen Bereichen erfahren: „Ich konnte sehen, wie sich andere Musikschüler:innen auf den Wettbewerb vorbereiten, hatte das erste Mal Tanzunterricht, konnte von einem Profi am Klavier begleitet werden und durch die Gespräche konnte ich erfahren, was ich besser machen kann. Ausdauer beim Singen hat es mir auch gebracht.“ Angesprochen auf gute und nicht so gute Momente während des Wettbewerbs und der Vorbereitung darauf sagte die Mezzosopranistin: „Ich musste wirklich sehr viel proben und das Warten auf die Ergebnisse war echt schlimm. Das Schönste war, ich war sehr erleichtert, als ich endlich fertig war, und ich konnte mit meiner Lehrerin über persönliche Dinge reden.“
Annika Poltersdorf trat in den Kategorien Blockflöte solo und Oboe solo (jeweils mit Klavierbegleitung) an. Die fünfzehnjährige Hallenserin stellt für sich fest, dass ihr der Wettbewerb in vielerlei Hinsicht etwas gebracht hat: „Die Motivation für das gleiche Stück über lange Zeit zu behalten, ist eine Herausforderung. Außerdem entwickelt man einen Fokus, hat ein Ziel vor Augen. Auch die intensive Arbeit an Stücken, das bessere Verständnis für die Musik haben mich vorangebracht“. Ein Effekt des Wettbewerbs ist auch, sich mit neuen Spieltechniken auseinanderzusetzen: Für ein Wettbewerbsstück von Georg Friedrich Händel hat Annika die Doppelzungentechnik auf der Oboe gelernt, die es ihr ermöglicht, durch zweifaches Anstoßen des Doppelrohrblatts mit der Zunge noch schneller hintereinander Töne in Läufen oder Staccato-Abschnitten zu spielen. Neben den technischen Anforderungen eines Wettbewerbsauftrittes gibt es auch soziale. Die Konkurrenzsituation untereinander kann von unterschiedlichen Personen positivPositiv 1. Kleineres Teilwerk einer Orgel, das zur Ergänzung des Hauptwerkes dient. 2. Kleine selbstständige Orgel mit einem Manual. oder negativ wahrgenommen werden. Für Annika war es keine negative: „Meine Freundin ist in der gleichen Kategorie wie ich angetreten, da gab es kein Konkurrenzdenken. Wir haben uns miteinander gefreut.“

Die beiden Schwestern Elina und Emilia Scheller traten in der Kategorie Klavier vierhändig an. Die beiden Wittenbergerinnen sind 8 und 13 Jahre alt und traten in einer Kategorie an. „Im Regionalwettbewerb haben sie gute Leistungen erbracht, aber wir hatten nicht erwartet, dass sie so viel Erfolg haben werden“, fasst ihre Mutter Irina Kibardina zusammen. Die Probensituationen wurden im Vorfeld natürlich enorm erleichtert, da die beiden Mädchen zuhause zusammen üben konnten, und nicht für Proben weitere Termine mit anderen Wettbewerbsteilnehmer:innen ausmachen mussten. Kurz vor dem Landeswettbewerb gab es dann noch eine weitere Hürde zu nehmen: Das Probespiel in der Musikschule fand erst um 19 Uhr statt. „Das war wirklich spät für die Mädchen, da konnten sie sich nicht so gut präsentieren; zum Glück war der Landeswettbewerb tagsüber angesetzt“, erzählte Frau Kibardina dem Musikland.

Aus dem Altmarkkreis kamen acht Musiker:innen zu einer außergewöhnlichen Besetzung zusammen: sie spielten in einem Streichoktett. So ungewöhnlich diese Besetzung ist, so wenig Literatur gibt es für sie. Die Jugendlichen zu gemeinsamen Proben zusammenzubringen, war aus organisatorischer Sicht nicht leicht: Ein Probenort musste gefunden werden, außerdem Termine für das gemeinsame Musizieren. In der Kategorie „Besondere Besetzungen“ konnte sich das Streichoktett mit keinem anderen messen. Trotzdem war es eine interessante Erfahrung für alle Teilnehmenden.
Nach den Begegnungen während des Landeswettbewerbs geht es für einige Preisträger:innen weiter zum Bundeswettbewerb.

