Location
Einst war es eine Reithalle, in der auch zirkusartige artistisch-akrobatische Unterhaltung geboten wurde. Das Steintor-Varieté am namensgebenden Platz „Am Steintor“ in Halle (Saale) gilt als eines der ältesten, wenn nicht gar als das älteste noch am Originalstandort bespielte Varietétheater Deutschlands. Längst kommen dort nicht mehr nur „Spezialitäten- und Nummern-Programme“ auf die Bühne wie im traditionellen Varieté. Vielmehr gehören heute neben Comedy- und Kabarettvorstellungen auch Konzerte, Musicals, Operetten, Revuen, Ballett, Theater, Lesungen sowie Tanzabende und Boxwettkämpfe zum breit aufgestellten Veranstaltungsprofil.
Konzerte namhafter Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster musikalischer Genres von Schlager und Volksmusik über Rock und Pop bis hin zu Jazz und Swing stehen ebenso auf dem Programm wie Darbietungen aus den Bereichen Filmmusik und Klassik. Hinzu kommt die Nutzung der Räumlichkeiten als Location für Tagungen, Kongresse, Messen, Firmenfeiern und private Festivitäten.
Nicht nur Kinder füllen jährlich in der Vorweihnachtszeit bei etwa 40 Aufführungen der traditionellen Familien-Weihnachtsrevue den großen Saal des Steintor-Varietés mit mehr als 1100 Sitzplätzen im Parkett und in zwei Rängen unter der glitzernden Sternendecke. Die wechselnden Geschichten um den frechen Herrn Fuchs und seine Freunde zogen von 1992 bis 2025 jeweils bis zu 50.000 Besucher:innen aller Altersgruppen ins Theater.
Die Nachfolgerin der DDR-Revue „Hoppel-Poppel“ stand von Anfang an unter der künstlerischen Leitung des Komponisten, Pianisten, Arrangeurs und Hochschullehrers Hartmut Reszel, der zusammen mit dem Liedermacher und Medienpädagogen Paul Bartsch auch für Idee und Texte verantwortlich war. Im Dezember 2025 gaben Reszel, der unter anderem als Weihnachtsmann auf der Bühne präsent war, und Helmut Rosenkranz, Träger der Titelrolle und als Herr Fuchs inzwischen im Ruhestand, den Staffelstab weiter an teils langjährige Mitstreiter. So kann unter neuer Regie und mit einem jüngeren, in den Vorjahren behutsam eingeführten Protagonisten die beliebte Veranstaltungsreihe nahtlos fortgeführt werden.
Seit 2017 nutzt auch die Staatskapelle Halle die Location für ihre sechs Pavillonkonzerte im Jahr, bei denen die Gäste an festlich gedeckten Tischen bei Kaffee und Kuchen ein stimmungsvolles musikalisches Programm genießen können.
Geschichte
Das als Walhalla-Varieté im Jahr 1889 offiziell eröffnete Varietétheater am Steintor ist hervorgegangen aus der als Theater eingerichteten Reitarena des Pferdehändlers Emil Lözius, in der bereits im Mai 1868 varietéartige akrobatische und theatralische Darbietungen nachgewiesen werden können. Zwischen 1884 und 1886 diente das Gebäude dem halleschen Stadttheater als Interimsquartier während des Theaterneubaus.
Ursprünglich ein Ort für bunte Varietéprogramme, fungierte das Walhalla im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts zeitweilig auch als Operettentheater, Kino und Ringkampfarena. Erst nach 1925 besann man sich wieder auf die eigentliche Bestimmung als Varietébühne. Berühmte Namen wie Otto Reutter und der Clown Charlie Rivel verliehen dem Haus Glanz. Nach kurzer Schließung während des Zweiten Weltkriegs wurde das Steintor-Varieté am 15. Juli 1945 unter seinem heutigen Namen wiedereröffnet. Während der DDR-Zeit war es als volkseigener Staatsbetrieb das einzige Varietétheater neben dem Berliner Friedrichstadtpalast.
Seit 1996 wird das Steintor-Varieté von der privaten Event-Net GmbH betrieben. Im Zuge der damit verbundenen Restaurierungsarbeiten wurde zunächst im Inneren das Erscheinungsbild von 1989 denkmalgerecht wiederhergestellt. Die Bestuhlung im Parkett ist flexibel, in den Rängen sind golden verzierte Säulen, rote Plüschsitze im ersten sowie kleine Tische im zweiten Rang eine Reminiszenz an die traditionelle Varietéeinrichtung. Im Jahr 2013 erfolgte dann die Rekonstruktion der historischen Außenfassade. Zugemauerte Fenster wurden geöffnet, verborgene Stuckelemente wieder freigelegt. Seiher erstrahlt das Gebäude in hellem Grün.
Am Ort des abgerissenen Nachbarhauses entstand ein im Jahr 2016 fertiggestellter moderner Neubau, der Gastronomie, Wohnungen und Büros beherbergt. Eine Passage zwischen beiden Häusern führt zum hinteren Eingang des Steintor-Varietés und verbindet heute das altehrwürdige Theater mit dem neuen Steintorcampus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Paulusviertel. Das Foyer des Theatergebäudes wurde 2018 um 500 Quadratmeter nach hinten erweitert und bietet nun ausreichend Platz für Toiletten und Garderoben.
Der im Jahr 2017 abgeschlossene Umbau des gesamten Steintor-Platzes durch die Stadt Halle im Rahmen des Stadtbahn-Programms bringt eine weitere Aufwertung der Location mit sich durch mehr Freifläche und einen Springbrunnen vor dem Haupteingang. Die gastronomische Versorgung vor Ort sichern ein Getränke- und Imbissverkauf an mehreren Bars im Theater sowie die nach dem Gründer der Reithalle benannte und ebenfalls von der Event-Net-GmbH betriebene Bistronomie Løzius im neu erbauten Nachbarhaus.
Quellen
Website des Steintor-Varietés (02.06.2026)
Das Steintor-Varieté auf der Website des Stadtmarketings Halle (02.06.2026)
Steintor-Varieté Halle wird 150 Jahre alt, Radio Corax, 29. Mai 2018 (02.06.2026)
Kleindienst, Denny (2024), Viel mehr als Comedy und Volksmusik: Altes Haus ist offen für Neues, Mitteldeutsche Zeitung (02.06.2026)
Neumann, Erik (2014), Wo die Show zu Hause ist – 125 Jahre Steintor Varieté, Kulturfalter (02.06.2026)
Weitere Informationen und Kontakt
Website
event-net gmbh
Am Steintor 10
06112 Halle (Saale)
Telefon: 0345 – 20 93 410
info@steintor-variete.de