Zweimal Musiktheater aus Sachsen-Anhalt

Das Ensemble des Theaters Magdeburg bei der Probe für die Operette Clivia

Was kann Musiktheater heute leisten, wenn es mehr sein will als die Pflege des Repertoires? Zwei neue Filme der Reihe Musikland im Gespräch gehen dieser Frage nach und richten den Blick auf zwei zentrale Orte des Musiktheaters in Sachsen-Anhalt: das Theater Magdeburg und das Anhaltische Theater Dessau. Beide Häuser stehen für unterschiedliche künstlerische Profile und Arbeitsweisen und zeigen, wie Musiktheater im Land heute konkret entsteht.

Das Theater Magdeburg ist als Vierspartenhaus fest in der Landeshauptstadt verankert und wird von Generalintendant Julien Chavaz geleitet. Der Film gibt Einblicke in die Probenarbeit zur Operettenproduktion Clivia, begleitet die Magdeburger Philharmonie und zeigt Gespräche über künstlerische Arbeit und persönliche Perspektiven. Mit Julien Chavaz und der Kammersängerin Undine Dreißig kommen zwei Stimmen zu Wort, die das Haus aus ihrer jeweiligen Praxis heraus prägen.

Undine Dreißig, Mezzosopranistin aus Eisleben, gehört seit 1989 zum Ensemble des Theaters Magdeburg. Über Jahrzehnte hinweg hat sie ein breites Repertoire gestaltet. 2011 wurde sie zur Kammersängerin ernannt. Ihre Arbeit steht für eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Repertoire und für eine langfristige künstlerische Bindung an das Haus. Diese Perspektive bringt sie in das Gespräch über das Musiktheater ein.

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Julien Chavaz während der Probe

Julien Chavaz verbindet in seiner Arbeit die Pflege des Repertoires mit neuen Formaten. Sichtbar wurde dieser Ansatz unter anderem 2025 mit dem von ihm initiierten Festival Exoplanet. Hier wird zeitgenössisches Musiktheater erprobt: mit neuen Stoffen, interdisziplinären Arbeitsweisen und einem klaren Bezug zur Gegenwart. Das Festival steht damit für die Frage, wie sich Musiktheater weiterentwickeln kann, wenn es nicht nur bestehende Werke zeigt, sondern neue Formen und Inhalte ausprobiert.

Darüber sprechen beide auch im Film: Welche Rolle kann Musiktheater heute spielen? Wie lassen sich Tradition und neue künstlerische Ansätze miteinander verbinden? Und wie entstehen daraus Perspektiven für die weitere Entwicklung des Musiktheaters im Land?

Das Anhaltische Theater Dessau gehört seit vielen Jahren zu den zentralen Musiktheaterstandorten Sachsen-Anhalts. Mit seiner Opernsparte und insbesondere mit der Anhaltischen Philharmonie prägt es die Region. Das Orchester ist dabei nicht nur Teil des Musiktheaters, sondern ein eigenständiger Klangkörper, der das musikalische Profil des Hauses bestimmt, sowohl im Opernbetrieb als auch im Konzertleben.

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Markus L. Frank im Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau

Im Film sprechen Generalintendant Johannes Weigand und Generalmusikdirektor Markus L. Frank, die gemeinsam das Musiktheaterprofil des Hauses verantworten. Sie geben Einblicke in ihre künstlerische Arbeit und beschreiben die besonderen Bedingungen eines Mehrspartentheaters. Gleichzeitig wird die Geschichte des Ortes sichtbar: Die Dessauer Theatertradition reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück, das heutige Gebäude wurde 1938 als eines der größten Bühnenhäuser seiner Zeit errichtet und blickt auf eine Geschichte zwischen Zerstörung, Wiederaufbau und kontinuierlicher Weiterentwicklung zurück.

Mit seinen großen Bühnenmaßen und seiner Infrastruktur gehört das Haus zu den markanten Theaterbauten Deutschlands. Im Zentrum der Arbeit steht das Zusammenspiel von Bühne, Orchester und Ensemble, das in Dessau bewusst gepflegt wird und ohne die Anhaltische Philharmonie in dieser Form nicht denkbar wäre.

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Blick auf das Anhaltische Theater inDessau
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In den Werkstätten des Anhaltischen Theaters

Die Bedeutung des Hauses zeigt sich auch in seiner Rolle im kulturellen Gefüge der Region, nicht zuletzt als Hauptspielstätte des Kurt Weill Fests. Das international beachtete Festival bringt jedes Jahr neue Perspektiven auf das Schaffen Kurt Weills hervor und macht Dessau zu einem Ort, an dem Musiktheater im Spannungsfeld von historischer Substanz und gegenwärtiger Auseinandersetzung sichtbar wird.

Mit beiden Filmen werden zwei Musiktheaterorte vorgestellt, an denen sich unterschiedliche Arbeitsweisen und Fragestellungen beobachten lassen. Sie zeigen, wie Musiktheater in Sachsen-Anhalt entsteht: in der Arbeit an bestehenden Werken ebenso wie in der Entwicklung neuer Formate. Dabei wird deutlich, dass Musiktheater hier nicht nur aufgeführt, sondern immer wieder neu befragt und weiterentwickelt wird.

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.