Marienbibliothek zu Halle an der Saale (Musiksammlung)

Marienbibliothek zu Halle an der Saale © Stadt Halle (Saale), T. Ziegler

Allgemeines

Die Marienbibliothek wurde im Jahr 1552 gegründet und ist damit die älteste und zugleich größte öffentlich zugängliche evangelische Kirchenbibliothek Deutschlands. Ihr Bestand umfasst 36 000 Bände verschiedenster Wissensgebiete, so z. B. der Theologie, Medizin, Rechtswissenschaft, Astronomie, Naturwissenschaft, Geschichte und Philosophie, sowie frühe Bibeldrucke (z. T. mit Eintragungen von Martin Luther). Neben diesen vorwiegend aus dem 15. bis 18. Jahrhundert stammenden Werken besitzt die Bibliothek wertvolle Handschriften, frühe Reiseliteratur, Chroniken und Urkunden aus dem 13. bis 18. Jahrhundert sowie 435 Inkunabeln (Drucke vor 1500). Zu den Schätzen gehört auch eine wertvolle Musiksammlung.

Musiksammlung

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Titelblatt der Abhandlung „Spiegel der Orgelmacher und Organisten” von Arnolt Schlick, 1511, Foto: Marienbibliothek
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Notenblatt aus dem „Psalterium Davidis”, 1527, Foto: Marienbibliothek

Der Musikbestand der Marienbibliothek vom 16. bis 20. Jahrhundert enthält Notenhandschriften und Erstdrucke bedeutender Komponisten des mitteldeutschen Raumes, unter anderem von Heinrich Schütz und Samuel Scheidt. Darüber hinaus befinden sich seltene musiktheoretische Traktate in dieser Sammlung, wie beispielsweise die 1511 gedruckte Abhandlung Spiegel der Orgelmacher und Organisten von Arnolt Schlick, die zu den frühsten Zeugnissen über den Orgelbau und das Orgelspiel überhaupt zählt.

Einer der wertvollsten musikalischen Drucke ist das sog. Psalterium Davidis aus dem Jahr 1527, das die katholische Kirchenmusik in Halle während der Zeit der Herrschaft Albrechts von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg und von Mainz, dokumentiert. Es handelt sich hierbei um eine Prachtausgabe mit aufwendig verziertem Holzeinband und kostbarem Pergament, auf dem zwischen den Texten der Psalmen Davids geistliche Gesänge in der damals üblichen Choralnotation eingefügt sind.

Von großer Bedeutung ist die Sammlung von Gesangbüchern, die mit 8000 Bänden eine der größten ihrer Art in Deutschland ist. Sie umfasst die Druckausgaben aus sechs Jahrhunderten und bietet der Kirchenliedforschung (Hymnologie) einen unschätzbaren Materialfundus.

Mit ihren zahlreichen musikalischen Quellen liefert die Musiksammlung der Marienbibliothek ein eindrucksvolles Zeugnis vom Musikleben und der liturgischen Musikpraxis der Stadt Halle und der mitteldeutschen Region.

Literatur

450 Jahre Marienbibliothek zu Halle an der Saale. Kostbarkeiten und Raritäten einer alten Büchersammlung, hrsg. von Heinrich L. Nickel im Auftrag des Freundeskreises der Marienbibliothek zu Halle e. V., Halle 2002.

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.