Magdeburger Dom – Hauptorgel

Die Hauptorgel auf der Westempore im Magdeburger Dom CC BY-SA 3.0, Erwin Meier

Orgelbauer

Alexander Schuke Potsdam, hauptverantwortlich Matthias Schuke, Leitung der IntonationIntonation Klangliche Abstimmung der Orgelpfeifen untereinander und auf die Akustik des Raumes.: Hartmut Rönnecke

Orgelgeschichte

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Der neue goldene Hahn © Johann Friedrich Röpke
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Der originale goldene Hahn im ProspektProspekt Schauseite der Orgel. der Compenius-Orgel © Johann Friedrich Röpke
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Magdeburger Dom-Grundriss mit Orgeln, nach Georg Dehio/Gustav von Bezold, bearbeitet von Johann Friedrich Röpke
Gemeinfrei

Bis 1945 befand sich auf der Westempore des Domes eine 100-registrige Röver-Orgel, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Seit 1970 befindet sich im Magdeburger Dom über der Paradiespforte im Querschiff eine 37-registrige Chororgel der Orgelbauanstalt Alexander Schuke Potsdam”. Diese ist im Querschiff gut hörbar, kann aber den ganzen Dom klanglich nicht füllen. Deshalb gab es schon seit langem Bestrebungen, wieder eine große Orgel auf die Westempore zu bauen. Aus Initiativen zum Bau dieser Orgel entstand schließlich 1997 der Verein „Aktion Neue Domorgeln Magdeburg e. V.”. Bereits 1996 begann ein Orgelmarathon, bei dem Domkantor Barry Jordan bis 2000 das gesamte Œuvre für Orgel Johann Sebastian Bachs spielte. Diese Aktion brachte 18.000 DM ein, die für eine neue große Domorgel verwendet werden sollten. Im Jahr 2000 sicherte die EU aus dem „Fond für regionale Entwicklung“ 1,8 Mio. DM für eine neue Orgel zu. Mit Hilfe dieser finanziellen Mittel konnte das Projekt 2002 ausgeschrieben und der Auftrag 2003 an die Orgelbauanstalt Alexander Schuke vergeben werden. Dazu trug auch eine Vielzahl privater Spenden bei. Ab 2006 wurde mit dem Aufbau der Orgel im Dom begonnen (Informationen hier). Schließlich konnte die Orgel am 18.05.2008 geweiht werden und erklingt seitdem im Magdeburger Dom.

Der goldene Hahn

Im Jahr 1604 wurde der Auftrag zum Bau eines Prospektes für die damalige Compenius-Orgel auf der Westempore des Doms erteilt. Dieser Prospekt wurde mit vielen, zum Teil beweglichen Figuren geschmückt. Die größte Attraktion stellte jedoch ein goldener Hahn dar. Dieser sollte an die Verleugnung des Petrus (Matthäus 26, 69–75) erinnern. Bald diente er jedoch mehr als Touristenattraktion. Von 1786 ist ein Bericht überliefert, in dem es heißt, dass bereits 1784 an Michaelis (29. September) keine Predigt mehr stattgefunden habe, da diese bei dem Lärm und Gedränge in der Kirche niemand hören könnte. Zudem werde im Dom gegessen und getrunken und auch die Musik sei kaum wahrzunehmen. Nur wenn sich die Figuren des Prospektes bewegten, kehre Ruhe ein. Sobald der Hahn gekräht und mit den Flügeln geschlagen habe, verließen alle Besucher den Dom schnellstmöglich wieder.

Während der Dominstandsetzung zwischen 1826 und 1834 wurde der Prospekt schließlich durch einen neuen ersetzt. Vom damaligen Prospekt ist einzig der goldene Hahn erhalten geblieben.

Beim Neubau der großen Orgel entschied sich die „Aktion Neue Domorgeln in Magdeburg e. V.“, einen neuen goldenen Hahn fertigen zu lassen, der zum einen eine Reminiszenz an die Compeniusorgel darstellt, zum anderen aber ebenso wie sein Vorgänger auch an die Verleugnung des Petrus erinnern und die Gemeinde zum Lob Gottes aufrufen soll.

Technische Ausstattung

Die Hauptorgel des Magdeburger Doms besitzt 4 ManualeManual Klaviatur für die Hände. und PedalPedal Klaviatur für die Füße.. Die insgesamt 93 RegisterRegister Reihe von Pfeifen gleicher Klangfarbe und unterschiedlicher Tonhöhe, die über einen Registerzug als Ganzes an- und ausgeschaltet werden können., davon 21 ZungenregisterZungenregister Reihe von Zungenpfeifen (auch Lingualpfeifen), bei welchen der Ton durch ein in Schwingung versetztes Messingblatt erzeugt wird. Die Registernamen orientieren sich meist an Blasinstrumenten (Trompete, Posaune, Oboe etc.)., verteilen sich auf Pedal, HauptwerkHauptwerk Das zentrale Teilwerk der Orgel mit den wichtigsten und kräftigsten Pfeifen.PositivPositiv 1. Kleineres Teilwerk einer Orgel, das zur Ergänzung des Hauptwerkes dient. 2. Kleine selbstständige Orgel mit einem Manual.SchwellwerkSchwellwerk In einem mit Türen (Jalousien) versehenen Gehäuse untergebrachtes Orgelwerk, bei dem vom Organisten durch Öffnen und Schließen stufenlos Klangfarbe und Lautstärke verändert werden können (Crescendo, Decrescendo). und SolowerkSolowerk Orgelwerk mit Soloregistern zum Spiel ausgeprägter Melodien.. Sowohl das Schwellwerk als auch das Positiv sind schwellbar.

Die gesamte TrakturTraktur Übertragungssystem zwischen Tasten (Spiel- oder Tontraktur) bzw. Registerzügen (Registertraktur) und den Pfeifenventilen. funktioniert mechanisch. Da die aufzubringende Muskelkraft der Finger mit der zunehmenden Größe einer Orgel und der Anzahl der Register und KoppelnKoppel Technische Einrichtung, die es möglich macht, einzelne Teilwerke einer Orgel auch auf einem anderen Manual, im Pedal oder in einer anderen Lage zu spielen. steigt, werden zur Behebung dieses Problems oft Barker-Hebel eingesetzt. Diese verursachen jedoch Störgeräusche und können die individuelle Anschlagsart des Organisten nicht auf die Ventile übertragen. Zur Behebung dieser Nachteile entwickelte die US-amerikanische Orgelbaufirma Fisk die sogenannte Fisk-Maschine (auch Kowalyshyn-Servopneumatikhebel genannt). Im Magdeburger Dom wurde diese Technik erstmals von einem europäischen Orgelbauer verwendet und von einer europäischen Firma gebaut.

Die Orgel ist insgesamt 10,75 m breit, 9,15 m tief, 14,75 m hoch und 37 t schwer. Es wurden 6139 Pfeifen verbaut, wobei die kleinste Pfeife (mit Fuß) 168 mm lang ist und die längste 10,37 m. Insgesamt ist die DispositionDisposition Gesamtanlage einer Orgel (Register, Manuale, Traktur, Spielhilfen, Stimmung). klassisch sinfonisch angelegt. Vor allem romantische deutsche und französische Orgelmusik ist sehr gut spielbar, einige Register wurden aber auch auf englische Art und Weise gebaut. Die einzelnen Stimmen mischen sich sehr gut und die Register des Solowerkes sind auch über starken Registrierungen noch gut wahrnehmbar.

Klangbeispiele

Improvisation (Toccata) über „So nimm denn meine Hände” (Hans-Dieter Karras)

August Gottfried Ritter (1811-1885), Sonate für Orgel Nr. 4 A-Dur, op. 31 (Hans-Dieter Karras)

CDs:

Barry Jordan – Symphonic Impressions (Barry Jordan an der Hauptorgel im Magdeburger Dom, mit Hörproben)

Barry Jordan – Die drei Orgeln des Magdeburger Doms (eingespielt 2021, mit Hörproben)

Literatur

Wolfram Adolph, „Rhetorik der Zwischentöne“, in: organ – Journal für die Orgel, Heft 2/08, Mainz 2008, S. 1–17.

Matthias Schuke, Christian Ekowski, „Ein Jahrhundertprojekt – Einige retrospektive ‚Marginalien‘ zur neuen Magdeburger Domorgel“, in: organ – Journal für die Orgel, Heft 2/08, Mainz 2008, S. 18–20.

Martin H. Groß, „Über sechs Jahrzehnte blieb der Magdeburger Dom ohne Hauptorgel”, in: organ – Journal für die Orgel, Heft 2/08, Mainz 2008, S. 24–28.

Wolfram Adolph, „Die erste ‚Fisk-Maschine‘ für Deutschland”, in: organ – Journal für die Orgel, Heft 2/08, Mainz 2008, S. 30–33.

Domorgeln Magdburg e. V., Aktion neue Domorgeln Magdeburghttp://www.aktion-neue-domorgeln-magdeburg.de.

Martin H. Groß, Ulrike  Groß (Hrsg.), Orgeln im Magdeburger Dom – einst und jetzt, Magdeburg 2008.

Links

Magdeburg: Eine neue Hauptorgel für den Dom (Artikel in der Mitteldeutschen Zeitung von 2008)

Domorgeln Magdeburg e. V. (Website des Vereins)

Die Orgeln im Dom St. Mauritius und St. Katharina zu Magdeburg (Daniel Kunert  Musik-Medienhaus: Das Portal der Königin)

Eine Schuke-Orgel gibt es auch in der Propsteikirche St. Peter und Paul in Dessau.

Video (Link)

Die Orgel – ungewohnte Einblicke in das Instrument des Jahres 2021
Das anschauliche Video von KMD Martina Pohl und Ulrike Großhennig bietet Schüler:innen die Möglichkeit, am Beispiel der Hildebrandt-Orgel in Sangerhausen in das Innere einer Orgel zu schauen, die Funktionsweise kennenzulernen, Fragen zu stellen und sich Detailwissen anzueignen. Das Video ist für schulische Zwecke genauso geeignet wie für Interessierte an diesem einzigartigen Instrument.

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.