Motoike, Frithjof (* 1985)

© Christian Eckhardt

Biografie

* 1985 in Perleberg

Der in Perleberg im brandenburgischen Landkreis Prignitz geborene Komponist, Kontrabassist und Dirigent Frithjof Motoike (geb. Eydam) erhielt bereits während seiner Schulzeit am Musikzweig der Latina August Hermann Francke in Halle eine Ausbildung in den Fächern Kontrabass, Musiktheorie und Komposition. In dieser Zeit entstanden seine ersten Kompositionen, die erfolgreich uraufgeführt wurden. Für sein WerkWerk Werk ist die Zusammenfassung von Gehäuse, Pfeifen und Windlade eines selbstständigen Teils der Orgel. Jedes dieser Teilwerke wird in der Regel mit einer eigenen Tastatur gespielt. Betrübte Wonne op. 2 bekam er den 1. Preis beim Kompositionswettbewerb „Singet dem Herrn ein neues Lied“ der Franckeschen Stiftungen.

Es folgten ein Studium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig im Hauptfach Kontrabass bei Prof. Frithjof-Martin Grabner sowie ein Schulmusikstudium an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit dem Hauptfach Klavier. Unterricht im Fach Dirigieren erhielt er von der renommierten halleschen Chorleiterin Dorothea Köhler.

Während seiner Schul- und Studienzeit wirkte Motoike in mehreren Ensembles mit, u. a. dem Landesjugendorchester Sachsen-Anhalt (einige Jahre als Solokontrabassist) und dem Kammerchor Incanta. Im Jahr 2006 gründete er die Krautrockband „Fake Blanche“, die bis zur Auflösung 2017 drei CDs veröffentlichte. Er spielte in weiteren kleineren Jazz- und Rockensembles und arbeitete ab 2008 mit der halleschen Hip-Hop-Gruppe „EastboundClikk“ zusammen.

Seit dem Jahr 2010 ist Frithjof Motoike als freischaffender Kontrabassist, Komponist, Dirigent und Instrumentallehrer (Kontrabass, Klavier und Musiktheorie) in Halle tätig. Er leitet seit 2013 den Friedrich-Silcher-Chor Halle und seit 2017 auch den Kammerchor VocHales, zudem ist er häufiger Gast beim kammerchor cantamus halle unter Dorothea Köhler, mit dem er seit 2015 zusammenarbeitet. Seit 2018 ist er Leiter des Orchesters der Musikschule „Kurt Weill“ in Dessau. Im Januar 2022 übernahm er auch die Leitung des Anhaltinischen Zupforchesters, das ebenfalls der Dessauer Musikschule angegliedert ist. Des Weiteren ist er als Dozent für mehrere Institutionen tätig, u. a. das Akademische Orchester Halle und den Landeschorverband Sachsen-Anhalt. Als Kontrabassist wirkt er in den halleschen Ensembles Concentus musicus Halle und der Camerata Hallensis mit und arbeitet mit der KammerAkademie Halle sowie der Kammeroper Halle zusammen.

Das Komponieren nimmt weiterhin einen großen Platz in seinem musikalischem Wirken ein. In den letzten Jahren entstanden zahlreiche Auftragswerke, darunter 27 – Konzert für Band, Chor und Orchester op. 33, das am 30. Oktober 2021 im Freylinghausensaal der Franckeschen Stiftungen mit der KammerAkademie Halle und dem Kammerchor VocHales uraufgeführt wurde. Außerdem veröffentlichte er die Kinderlieder-CD „Jahreszeiten“.
Seine Missa brevis in d-Moll für Sopran und zwei Altstimmen op. 17 sowie „27″ für Kontrabass und Orgel op. 22 sind bei bellmann musik in Halle erschienen.

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© Christian Eckhardt

Musik/Werke

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27 – Konzert für Band, Chor und Orchester op. 33 (Titelblatt; Partiturausschnitt zum Download s. u.) © Frithjof Eydam
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27 – Walzer über GFH op. 37 (Anfang; Partiturausschnitt zum Download s. u.) © Frithjof Eydam

Frithjof Motoike komponiert Musik für Soloinstrumente, Kammermusik, Schauspielmusik, Chormusik a cappella, Orchesterwerke, Musik für Chor und Orchester sowie gemischte Vokal- und Kammerbesetzung (detailliertes Werkverzeichnis auf der Website des Komponisten hier).

Seine 70-minütige Komposition „27“ für Chor und Orchester op. 25 wurde 2018 mit dem StudioChor Berlin und der KammerAkademie Halle unter der Leitung von Alexander Lebek in der halleschen Ulrichskirche und der Berliner Philharmonie uraufgeführt.

Der Radiosender MDR KLASSIK startete im Herbst 2020 einen Kompositionsaufruf für 30 neue Mikrokompositionen mit Bezug zu Mitteldeutschland, die im Jahr 2021 für das sendereigene Programm mit MDR-Ensembles produziert wurden. Frithjof Motoike steuerte eine Komposition über die Initialen von Georg Friedrich Händel mit dem Titel Walzer über „GFH“ bei (nähere Informationen zum MDR-Projekt und alle Kompositionen zum Anhören hier).

Über das Stück sagt er selbst: „Da [beim Kompositionsaufruf von MDR KLASSIK] Wert auf den Bezug zur mitteldeutschen Region gelegt wurde, dachte ich mir: Warum nicht auch einen Bezug in der Musik herstellen. Mein Lebensmittelpunkt ist seit über 20 Jahren Halle an der Saale. Über den Namen des aus der Nachbarstadt Leipzig stammenden berühmten Kollegen mit den vier musikalisch vertonbaren Buchstaben gibt es eine Vielzahl von Kompositionen. Der Name des zweiten berühmten Barockkomponisten Händel eignet sich nicht ganz so gut, wohl aber seine Initialen. Deshalb also ein “Walzer über GFH”, denn wer kann einem flotten und schwungvollen Walzer, wenn er ihn im Radio hört, schon widerstehen?“

Auffällig im Œuvre von Frithjof Motoike ist die Tatsache, das viele seiner Kompositionen den Titel „27“ tragen. Er erklärt das aus einem zunächst mathematischen Ansatz heraus, da ja die 27 auch als 3³ darstellbar ist. Die Drei spielt in seinen Kompositionen stets eine besondere Rolle. In 27 – Konzert für Band, Chor und Orchester op. 33 wird dieser Zusammenhang schon bei der Besetzung mit Band, Chor und Orchester offensichtlich. Auch hinsichtlich der Klangerzeugung finden alle drei Möglichkeiten Anwendung, d. h. die Töne werden elektronisch (Band), mechanisch-akustisch (Orchester) oder vokal (Chor) erzeugt. Hinzu kommen rein musikalische Parameter wie Dreisätzigkeit, häufige Verwendung von Triolen, dreiteilige (triolische) Taktarten, Anordnung der Motive in Dreierstrukturen sowie die Verwendung eines Motivs aus 27 Tönen (vgl. das Interview mit Frithjof Motoike im von der Hochschule Merseburg produzierten Video zur Uraufführung, s. Link unten).

Klangbeispiel

Frithjof Eydam, Walzer über „GFH“, Kompositionsaufruf von MDR KLASSIK

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.