Loewe, Carl (1796 – 1869)

Carl Loewe

Biografie

* 30. November 1796 in Löbejün, † 20. April 1869 in Kiel

Johann Carl Gottfried Loewe wurde am 30.11.1796 in der Kleinstadt Löbejün als 12. Kind des Kantors und Lehrers Johann Andreas Loewe und seiner Frau Marie, geb. Leopold (s. Selbstbiographie) geboren. Seine ersten Schuljahre verbrachte er in Löbejün und Köthen, wo er zwei Jahre lang im Knabenchor sang. 1809 wechselte er an die Latina in den Franckeschen Stiftungen in Halle und ab 1811 erhielt er Kompositionsunterricht bei dem halleschen Universitätsmusikdirektor Daniel Gottlob Türk. Möglich gemacht wurde die Ausbildung durch ein Stipendium des Königs von Westphalen, Jérôme Bonaparte. Loewe sang im halleschen Stadtsingechor und wurde von dem Komponisten Johann Friedrich Reichardt gefördert, der zu den Größen des dortigen Musiklebens zählte. Nach dem Tode Türks im Jahr 1813 erhielt Loewe das Vikariat als Organist an der Marktkirche. Nachdem er sich dort erfolglos auf die Organistenstelle beworben hatte, die Johann Friedrich Naue übernahm, begann Loewe 1817 ein Theologiestudium in Halle. Er tat sich unter Naues Leitung als ausgezeichneter Tenor in der Singakademie und im städtischen Musikleben hervor. Im Jahr 1820 verließ der noch junge Loewe Halle, um die nächsten 46 Lebensjahre hoch geachtet in Stettin als Kantor, Organist, Gymnasiallehrer und städtischer Musikdirektor zu leben und zu arbeiten. Loewe starb am 20.04.1869 in Kiel, wo er zuletzt bei einer seiner Töchter lebte.
Am Ort von Loewes ehemaligem Geburtshaus in Löbejün wurde 2014 das neu gestaltete Carl-Loewe-Museum eröffnet. Auf dem Marktplatz von Löbejün steht ein Loewe-Denkmal aus Löbejüner Porphyr (s. Bild unten).

Stadtrundgang
Seit Pfingsten 2021 sind Carl Loewe und Motive aus seinem musikalischen Schaffen in Form großflächiger Banner auch im Stadtbild von Löbejün präsent. Gestaltet durch Studierende der Fachhochschule Merseburg unter Leitung der Dozenten Thomas Tiltmann und Christian Siegel, zieren diese großformatigen Leinwände leerstehende Gebäude der historischen Altstadt und werten diese damit auf (nähere Informationen hier).

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Brief von Carl Loewe an Robert Schumann Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft
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Loewe-Denkmal in Löbejün © Susanne Maas

Musikhistorische Bedeutung

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Autograph der ersten Seite der Ouvertüre zu Ernst Raupachs dramatischer Phantasie „Das Märchen ein Traum“ von Carl Loewe Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft

Carl Loewe gilt als einer der bedeutendsten Balladenkomponisten. Nach Angaben der Internationalen Carl-Loewe-Gesellschaft in Löbejün (ICLG) hat er „als erster und einziger die musikalische Balladenform geschaffen, zur Vollendung geführt und zur gesonderten musikalischen Gattung geformt“ (Informationsmaterial der ICLG). Auf der Gliederung nach Strophen basierend, diese aber frei variierend, entfaltet die Loewe’sche Balladenvertonung ein plastisches Hauptmotiv und geht auf Charakteristika des Balladentextes tonmalerisch und leitmotivisch ein. Zu Loewes bereits 1818 in Halle entstandenen ersten Balladenvertonungen gehört mit dem Erlkönig (op. 1 Nr. 3, erschienen 1824) nach Goethe eines seiner heute populärsten Werke. „Man glaubt, ein Strophenlied zu hören […]. Es handelt sich aber keineswegs um ein Strophenlied, denn jede einzelne Textstelle ist anders vertont.” (Mühe 2002, S. 21)

Loewe schrieb in seiner Selbstbiographie, die ein Jahr nach seinem Tod 1870 erschien: „Ich hielte schon deshalb den Erlkönig für die beste deutsche Ballade, weil die Personen alle redend eingeführt seien.“ (Loewe 1870, zit. n. Ausg. 1994, S. 76 f.) Bei seiner einzigen Begegnung mit Goethe im Jahr 1820 in Jena konnte Loewe diesem seine Komposition nicht vortragen, da es in Goethes Domizil kein Klavier gab.

Weitere bekannte Balladenvertonungen von Loewe sind Edward op. 1 Nr. 1 nach Johann Gottfried von Herder, Der Zauberlehrling op. 20 Nr. 2 nach Goethe, Odins Meeresritt op. 118 nach Aloys Schreiber, Die Uhr op. 123 nach Gabriel Seidl und Archibald Douglas op. 128 nach Theodor Fontane. Loewes typischer Balladenstil zeigte sich bereits bei seinen frühen Werken und erfuhr später keine wesentliche Weiterentwicklung mehr.

Loewes Instrumentalwerke und Opern haben in früheren Jahren wenig Verbreitung und Anerkennung gefunden. Lediglich seine Oratorien wurden – größtenteils durch ihn selbst in Stettin – teilweise erfolgreich aufgeführt. Allerdings erlebt Loewes WerkWerk Werk ist die Zusammenfassung von Gehäuse, Pfeifen und Windlade eines selbstständigen Teils der Orgel. Jedes dieser Teilwerke wird in der Regel mit einer eigenen Tastatur gespielt., auch dank der Initiative der ICLG, zurzeit eine Renaissance, u. a. durch zahlreiche Neu- und Erstaufführungen.

Die Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft e. V. ernannte 2007 den 2014 verstorbenen Liedermacher Udo Jürgens zu ihrem Ehrenmitglied.

Werke

Carl Loewe schrieb etwa 500 Balladen und Lieder, 17 Oratorien, 6 Opern (u. a. Die drei Wünsche op. 42), Kantaten, Motetten, 2 Sinfonien und 2 Klavierkonzerte sowie Kammermusik.

Durch glückliche Umstände wurde Anfang 2016 – nach einem wahren „Musikalien-Krimi“ – in einem privaten Nachlass u. a. die lange verschollene Ouvertüre zu Loewes Oper Malekhadel wiederentdeckt und neben anderen Handschriften Loewes von der Internationalen Carl-Loewe-Gesellschaft e. V. erworben. Dieses Werk wurde zu den 6. Carl-Loewe-Festtagen 2016 in Löbejün erstmalig nach fast 200 Jahren wieder aufgeführt.

Klangbeispiele

Interpretation des Loewe’schen Erlkönigs von Thomas Quasthoff

CD-Einspielung:
Irénée Peyrot, der Kantor der halleschen Marktkirche, hat im Mai 2020 an der Rühlmann-Orgel in der Löbejüner Stadtkirche St. Petri eine CD mit Kompositionen Carl Loewes aufgenommen. Darunter sind die wenigen hinterlassenen OrgelwerkeOrgelwerk Werk ist die Zusammenfassung von Gehäuse, Pfeifen und Windlade eines selbstständigen Teils der Orgel. Jedes dieser Teilwerke wird in der Regel mit einer eigenen Tastatur gespielt. Loewes sowie Kompositionen, die Loewe ursprünglich für Klavier und/oder Gesang bzw. Chor und Orchester geschrieben hat und die von Peyrot für die Orgel bearbeitet worden sind. Beigefügt ist ein umfangreicher Text der halleschen Musikwissenschaftlerin Cordula Timm-Hartmann. Die CD ist u. a. über die Internationale Carl-Loewe-Gesellschaft erhältlich (Informationen hier).

Weitere CDs mit Musik von Carl Loewe sind u. a. hier zu finden.

Noten zum Download

Übersicht der Werke von Carl Loewe in der Petrucci Music Library, darunter 3 Balladen op.1: 1. Edward, 2. Der Wirtin Töchterlein, 3. Erlkönig

Literatur

Jürgen Jankofsky, Loewe Carls Löbejüner Lieblingsnöck, Halle, Projekte-Verlag 2002 (Bilderbuch für das Grundschulalter, auch Hör-CD mit Peter Sodann und Johannes Sterkel).

Carl Loewe, Selbstbiographie, bearbeitet von Carl Hermann Bitter (=Schriften des Händel-Hauses in Halle 10), Halle an der Saale 1994.

Hansgeorg Mühe, Balladen und Lieder von Carl Loewe (=Schriften zur Kulturwissenschaft, Band 42), Hamburg 2002.

Konstanze Musketa/Götz Traxdorf (Hrsg), Carl Loewe 1796–1869, Bericht über die wissenschaftliche Konferenz anlässlich seines 200. Geburtstages vom 26. bis 28. September 1996 im Händel-Haus Halle, Halle an der Saale 1997.

Peter Tenhaef, Art. „Loewe, Carl“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 2., neubearbeitete Ausgabe, hrsg. von Ludwig Finscher, Personenteil, Bd. 11, Kassel u. a. 2004, Sp. 388398.

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.