BACHS ERBEN – Jugendbarockorchester Michaelstein

Bachs Erben © Ulrich Schrader

Geschichte

Alte Musik für junge Leute – geht das überhaupt? Das Jugendbarockorchester BACHS ERBEN, ansässig im Kloster Michaelstein in der Nähe von Blankenburg im Harz, ist das beste Beispiel dafür. Drei- bis viermal im Jahr treffen sich junge Musikerinnen und Musiker zwischen ca. 13 und 26 Jahren zu mehrtägigen Projektphasen, in denen sie Werke von Johann Sebastian Bach und seinen Zeitgenoss:innen unter Anleitung namhafter Dozent:innen Alter Musik gemeinschaftlich erarbeiten und zur Aufführung bringen. Seit 2020 spielen sie dabei sogar ausschließlich auf „alten“ Instrumenten bzw. deren Nachbauten, was einer „historisch informierten“ Aufführungspraxis am nächsten kommt. Das Ensemble musiziert zeittypisch meist ohne Dirigent:in.
 
Die Probenphasen sind Teil des Kursangebotes der Musikakademie Sachsen-Anhalt für Bildung und Aufführungspraxis im Kloster Michaelstein. Geleitet werden sie vom Cembalisten Raphael  Alpermann, der ebenso wie die anderen Tutor:innen Mitglied der renommierten Akademie für Alte Musik Berlin ist. Das Orchester entstand im Jahr 2006 in der Nachfolge des Internationalen Sommerkurses junger Instrumentalisten, den es bereits seit den 1960er-Jahren gab. Die Initiative, junge Menschen für Alte Musik zu begeistern, teilen die Landesmusikakademie und die Akademie für Alte Musik mit dem Verein Mitteldeutsche Barockmusik e. V., der sich u. a. die musikalische Jugendförderung auf die Fahnen geschrieben hat und das Ensemble unterstützt.
 
Neben den regelmäßigen Aufritten im Kloster ist das Orchester auch überregional unterwegs und unternimmt Konzertreisen ins In- und Ausland. So ging die Reise bereits nach China, Bulgarien, Kolumbien, Finnland und im Jahr 2024 in die Niederlande. Bei Festivals im mitteldeutschen Raum und darüber hinaus, wie den Händel-Festspielen in Halle, den Fasch-Festtagen in Zerbst, dem Bachfest in Leipzig, den Thüringer Bachwochen oder der Nürnberger Orgelwoche, sind die jungen Musiker:innen gern gesehene Gäste. Für mehrere repräsentative Veranstaltungen der sachsen-anhaltischen Landesregierung durften BACHS ERBEN die musikalische Umrahmung beisteuern.

Repertoire

Wie der Name des Ensembles bereits verrät, liegt das Hauptaugenmerk bei der Programmgestaltung auf Instrumental- und Vokalmusik Johann Sebastian Bachs. Darüber hinaus kommen Werke von Bachs Zeitgenoss:innen bis hin zu Komponist:innen der Frühklassik zur Aufführung. Namen wie Georg Friedrich Händel, Georg Philipp Telemann, Heinrich Schütz, Johann Friedrich Fasch und Wilhelm Friedemann Bach sind zudem regional verbunden mit dem Musikland Sachsen-Anhalt. Zum Repertoire gehören aber auch Stücke unbekannterer Komponist:innen, darunter Philipp Heinrich Erlebach, Johann Ernst Prinz von Sachsen-Weimar oder die römische Komponistin Maria Rosa Coccia, die ebenfalls eine Entdeckung wert sind.
Ins Auge springen die neugierig machenden thematischen Überschriften der einzelnen Projektphasen. Da geht es beispielsweise um Wunderkinder (2023), Bachs erste Liebe (2021), Bach zum 333. (2018), KRICH (2017), Große & Unbekannte (2014), Bäche & Meer (2014), Gensericos Rache (2012) oder Bach wird Vater (2010).
Eine Besonderheit bei BACHS ERBEN ist die Zusammenarbeit mit der Choreografin und Regisseurin Heike Hennig, deren musikalisch-szenische Programme Musik, Tanz und Theater vereinen. Die gemeinsame Produktion KRICH (mitteldeutsch für Krieg, Kampf, Streit) wurde 2017 zusammen mit der Heike-Hennig-Company in Michaelstein uraufgeführt. Das Projekt Das Tor steht offen – Porta patet, cor magis (2025) entführt in die Harzer Sagenwelt.

 

Mitmachen

Die Kursteilnahme ist offen für fortgeschrittene Musikschüler:innen und Musikstudent:innen aus dem In- und Ausland. Mitgebracht werden sollten ein besonderes Interesse an Barockmusik und historischer Aufführungspraxis sowie Erfahrungen im Bereich der Kammermusik. Gerne ist die Musikakademie bei der Beschaffung der Instrumente behilflich. Cembalo und Truhenorgel sind vor Ort vorhanden.
Für neue Mitspielerinnen und Mitspieler gibt es jeweils zum Jahresanfang mit dem Format Praeludium einen Einstiegsworkshop, bei dem Interessierte in die Arbeit mit historischen Instrumenten hineinschnuppern und die Dozent:innen in kleiner Runde kennenlernen können.
 
Doch wie kommt es, dass das Jugendbarockorchester BACHS ERBEN über so viele Jahre immer wieder aufs Neue junge Menschen anziehen und begeistern kann? Da ist zum einen die einmalige Umgebung inmitten von Natur und alten Gemäuern, zum anderen sind die Probenbedingungen auch räumlich dank umfassender Sanierungsmaßnahmen ideal. Geprobt werden kann zeitlich unbegrenzt. Wenn es sein muss, geht es auch mal bis Mitternacht. Die jungen Instrumentalist:innen erhalten von ihren Dozent:innen ein hohes Maß an eigener Gestaltungsfreiheit, um sich als Team gemeinschaftlich mit den Anforderungen der Musik auseinanderzusetzen. Dieses Eintauchen in die Musik unter fachkundiger, kollegial geprägter Anleitung, gepaart mit einem freundschaftlichen Verhältnis der Mitspielerinnen und Mitspieler untereinander, sind wohl das Erfolgsrezept dafür, dass es eben doch funktioniert mit der Alten Musik für junge Leute.

Klangbeispiele

Jugendbarockorchester BACHS ERBEN – J. S. Bach (BWV 22)

Jugendbarockorchester BACHS ERBEN – J. F. Fasch (FWV K:g4)

Auszüge aus dem Konzert vom 4. August 2023 im Kloster Michaelstein, Musikscheune, künstlerische Leitung: Raphael Alpermann, zuletzt geprüft 07.04.2025

Quellen

Website von BACHS ERBEN, zuletzt geprüft am 07.04.2025
 
BACHS ERBEN im Kursprogramm der Landesmusikakademie, zuletzt geprüft am 07.04.2025
 
BACHS ERBEN beim Deutschen Musikinformationszentrum (miz), zuletzt geprüft am 07.04.2025
 
Jugendbarockorchester BACHS ERBEN – Trailer, zuletzt geprüft am 07.04.2025

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.