Biografie
Der um 1490 geborene Musiker Wolff Heintz lebte vermutlich seit 1523 in Halle, nachdem er zuvor zwischen 1516 und 1520 die Domorganistenstelle in Magdeburg unter dem Erzbischof von Magdeburg, Kardinal Albrecht von Brandenburg, innehatte. In Halle wirkte er unter seinem Dienstherrn, der auch auf der Moritzburg residierte, als Organist des Neuen Stifts, der späteren Domkirche, die der Administrator im Renaissancestil hatte umgestalten und prachtvoll ausstatten lassen. Zu den Aufgaben des Musikers gehörte es, neben der Orgel bei bestimmten Gelegenheiten auch die anderen Tasteninstrumente zu spielen sowie zu weltlichen Anlässen als Leiter der Hofkapelle in Erscheinung zu treten.
Bedingt durch seine seit mindestens 1529 bestehende Bekanntschaft und enge Zusammenarbeit mit Martin Luther vertonte Wolff Heintz dessen Choräle Christ, unser Herr zum Jordan kam und Nu bitten wir den heiligen Geist, die in die Sammlung von Georg Rhau Newe deudsche geistliche Gesenge für die gemeinen Schulen aus dem Jahr 1544 Eingang fanden. Er trat als Komponist von geistlicher Musik und von weltlichen Chorsätzen in Erscheinung, von denen die 1540 entstandenen bis heute überliefert sind.
Als Melodienkomponist war Heintz 1537 an der Herausgabe des katholischen Gesangbuchs des Halleschen Stiftspropstes Michael Vehe beteiligt; zwei weltliche gedruckte Lieder von ihm finden sich in Forsters Frischen teutschen Liedlein von 1540. Nach dem Weggang Kardinal Albrechts aus Halle 1541 trat Wolff Heintz zum Protestantismus über und wurde Organist an der neuerrichteten Kirche zu St. Marien, der nunmehrigen Hauptkirche, in welche vermutlich eine ältere Orgel aus einer der Vorgängerkirchen, St. Gertrauden oder St. Marien, übertragen worden war. Seine enge Freundschaft zum Reformator zeigte sich unter anderem darin, dass dieser seine interpretatorische Kunst auf den verschiedenen Clavierinstrumenten gelobt und noch in seinem Todesjahr eine Widmung in das Gesangbuch von Heintz notiert haben soll.
1552 erkrankte Wolff Heintz und starb wohl im gleichen Jahr in Halle.
Musikhistorische Bedeutung
Als musikhistorisch bedeutsam erweisen sich die von Wolff Heintz zum Vehe‘schen katholischen Gesangbuch beigesteuerten Liedsätze, welche sich durch anspruchsvolle Tenorstimmen auszeichnen. Kompositionstechnisch schließt Heintz an die Satzkunst von Heinrich Isaac und Josquin Desprez an; in seinen vierstimmigen Sätzen finden sich Tendenzen zur Gegenüberstellung von Stimmpaaren bzw. von Zwei- zu Vierstimmigkeit, Wechsel von homophonen und polyphonen Abschnitten, Durchimitation und musikalische Textausdeutung. Neben den kunstvollen Sätzen sind auch Beispiele des populären Liedes mit instrumentalen Zügen zu verzeichnen.

Werke (nach MGG Online)
Unbekannte Zahl unter den 22 neuen Melodien in: M. Vehe, Ein new Gesangbüchlin geistlicher Lieder, Lpz. 1537, Nachdr. 1970
Judica me Deus 4v., lat. Motette über Ps. 42
Laudate Dominum für vier 4st. Chöre über Ps. 106, Vs. 1
Nu bitten wir den heiligen Geist (Luther) 4v., geistl. Lied, in: RISM 154421
Christ unser Herr zum Jordan kam (Luther) 4v., geistl. Lied, in: dass.
Gar hoch auf jenem Berge 4v., dt. Lied, in: RISM 154021, RISM 157117
Da trunken sie die liebe lange nacht 4v., dt. Lied, in: dass.
Klangbeispiele
CD:
Wolff Heintz, Christ unser Herr; Nu bitten wir den Heiligen Geist, in:
Martin Luther und sein Gegenspieler Albrecht von Brandenburg, Einspielung des Johann Rosenmüller Ensembles, Christophorus, DDD, 2002 (01.03.2012)
Noten zum Download
Literatur
Robert Eitner, „Heintz, Wolfgang“ in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 663 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz29376.html (06.03.2024).
Katalog der Deutschen Nationalbibliothek; URL: https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=nid%3D135904978 (06.03.2024).
Klaus-Peter Koch, Art. „Heintz, Wolff“, in: MGG Online, hrsg. von Laurenz Lütteken, New York, Kassel, Stuttgart 2016ff., zuerst, 2002; URL: https://www.mgg-online.com/article?id=mgg06133&v=1.0&rs=mgg06133&q=Wolff%20Heintz (06.03.2024).
Konstanze Musketa, Musikgeschichte der Stadt Halle. Führer durch die Ausstellung des Händel-Hauses, Halle an der Saale 1998, S. 11–12.
Wolfgang Ruf, Wolff Heintz und Luther, in: Mitteilungen Freundes- und Förderkreis des Händel-Hauses zu Halle, Halle (Saale) 2017, 1, S. 13–21.
Walter Serauky, Musikgeschichte der Stadt Halle, Bd. 1, Halle/Bln. 1935, S. 175–179, 184–188.
Links
BR Klassik. Stichwort Wolff Heintz. Zwischen den Fronten der Reformationszeit (19.02.2017 von Wolfgang Schicker, 06.03.2024)