Musikausbildung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Eingangsbereich Musikwissenschaft und Musikpädagogik © Uni Halle / Katharina Nitschke

Geschichte

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Luftbild der Musikabteilungen in der Kleinen Marktstraße 7 im Händelhaus-Karree
© Uni Halle / Maike Glöckner

Halle an der Saale begeistert mit musikalischer Vielfalt. Die Stadt kann mit Georg Friedrich Händel nicht nur einen Leuchtturm der Musikgeschichte vorweisen, sondern hat auch zahlreiche weitere bedeutende Persönlichkeiten der Musiklandschaften aus Vergangenheit und Gegenwart hervorgebracht. Hinzu kommt neben Institutionen wie Opernhaus, Händel-Haus, Staatskapelle, Händel-Festspielen und Musikbibliotheken eine lebendige Laienmusikszene. Und auch für das Studium der Musik finden Interessierte hier schon lange Angebote.
 
Bereits im Jahr 1903 hielt der Musikforscher und Privatdozent Hermann Abert (1871–1927) an der damaligen Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg Vorlesungen über Musikgeschichte. Nur zehn Jahre später gründete er 1913 das erste universitäre musikwissenschaftliche Institut in Halle unter seiner Leitung als Lehrstuhlinhaber. Vorausgegangen war eine „lange Tradition praktischer Musikausübung und theoretischer Musiklehre“ (Ruf / Timm-Hartmann, 1999) unter namhaften Universitätsmusikdirektoren wie Daniel Gottlob Türk, Johann Friedrich Naue und Robert Franz.
 
Ab 1907 gab es auch eine „Prüfungsstelle für wissenschaftlich gebildete Gesangslehrer an höheren Schulen“. Damit wurde in Halle die älteste universitäre musikpädagogische Bildungsstätte Deutschlands auf den Weg gebracht. Doch erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Musikpädagogik eigenständiger Teil der universitären Ausbildung. Im Jahr 1948 zunächst nur als Abteilung Musikerziehung ins Leben gerufen, nahm 1950 das Institut für Musikerziehung innerhalb der Pädagogischen Fakultät der Martin-Luther-Universität als zweites Musikinstitut neben dem Institut für Musikwissenschaft seine Arbeit auf. Institutsdirektor war Fritz Reuter (1896–1963), der im Jahr 1952 zum ersten Lehrstuhlinhaber für Musikpädagogik an einer deutschen Universität überhaupt berufen wurde. Die seit 1947 in Halle ebenfalls existierende Hochschule für Theater und Musik wurde im Jahr 1955 geschlossen.
 
Nach zahlreichen universitären Struktur- und Statusänderungen zu DDR-Zeiten wurden nach der politischen Wende die beiden Institute Musikwissenschaft und Musikpädagogik im Jahr 1991 neu gegründet. Seit 2016 sind sie zwei der vier Abteilungen des heutigen Instituts für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften (IMMS) an der MLU.

Abteilung Musikwissenschaft

Die Abteilung Musikwissenschaft des IMMS gliedert sich in die drei Fachgebiete Historische Musikwissenschaft, Musik und Medien / Systematische Musikwissenschaft und Musikethnologie mit jeweils einer eigenen Professur. Die drei Teilbereiche werden jeweils im Bachelor- und Masterstudium angeboten und arbeiten eng zusammen. Während das Bachelor-Studium als Zwei-Fach-Studium mit einem weiteren Studienfach außerhalb der Musikwissenschaft angelegt ist, erfolgt im Ein-Fach-Master eine Schwerpunktbildung auf eine der drei musikwissenschaftlichen Fachdisziplinen. Eine Eignungsprüfung gibt es nicht, alle am Fach Interessierten können sich in den Bachelor-Studiengang Musikwissenschaft einschreiben.
Die hallesche Musikwissenschaft bezeichnet sich selbst als „in hohem Maße forschungsorientiert“ und pflegt Kooperationen mit einer Vielzahl außeruniversitärer Institutionen wie der Mitteldeutschen Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V., dem Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung (Magdeburg), dem Mitteldeutschen Rundfunk, dem Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (Halle) oder der Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften (Halle). Schwerpunkte sind die Mitteldeutsche Barockmusikforschung, die Herausgabe der Hallischen Händel-Ausgabe (HHA), Musik in den Medien, Klangforschung sowie Musik in der Karibik und in Persien.

„In Halle erlebst du ein fachlich, aber vor allem menschlich vielseitiges Studium.“ So antwortet ein Masterstudent im Informationsfilm der Abteilung auf die Frage, was das Musikwissenschaftsstudium in Halle abwechslungsreich mache. Regelmäßige Gastvorträge unterschiedlichster Gastreferent:innen erweitern das hausinterne Studienangebot. „Eine Menge spannender Exkursionen“ tragen ebenfalls ihren Teil zur Vielseitigkeit bei.
Detaillierte Informationen über Studienablauf, -ziele und -voraussetzungen sind auf der ausführlichen Internetpräsenz der Abteilung nachzulesen.

Abteilung Musikpädagogik

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Konzertsaal in der Kleinen Marktstraße 7
© Christine Klein

Die Abteilung Musikpädagogik hat heute die Kernaufgabe, zukünftige Musiklehrer:innen auszubilden. Neben dem Fach Musik studieren die angehenden Lehrer:innen noch ein zweites Unterrichtsfach und Bildungswissenschaften. Das Studium für angehende Grundschullehrer:innen im Fach Musik ist zwar offiziell am Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik angesiedelt, erfolgt aber dennoch zu großen Teilen in der Abteilung Musikpädagogik.
Künstlerisch-praktische und wissenschaftliche Studienbereiche sind in der Lehramtsausbildung eng miteinander verzahnt, die Veranstaltungen finden – neben Vorlesungen – vorwiegend als Einzel- und Kleingruppenunterricht statt. Die Auswahl der Studienbewerber:innen erfolgt über eine Eignungsprüfung. Erst nach deren Bestehen ist die Bewerbung auf den gewünschten Studienplatz möglich.
Als profilbildend für die hallesche Musikpädagogik etablierten sich zudem ab Mitte der 1990er-Jahre mehrere künstlerisch-pädagogische Studiengänge zur Ausbildung von Musikschullehrer:innen in den Fächern Klavier, Gesang und später Gitarre, die internationale Ausstrahlung entwickelten. Die große Nachfrage war nicht zuletzt auf den angeschlossenen Aufbaustudiengang Konzertexamen zurückzuführen, mit dem manche beeindruckende Solistenkarriere begann. Im Zuge von Strukturreformen wurden diese Studiengänge seit Ende der 2010er-Jahre sukzessive eingestellt.
Ein Kombistudiengang in Kooperation mit der benachbarten Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik (EHK) eröffnet Studierenden die Möglichkeit, gleichzeitig einen Abschluss als Gymnasiallehrer:in für das Fach Musik und als Kirchenmusiker:in zu erwerben.
Ebenfalls zusammen mit der EHK wird für Absolvent:innen eines künstlerischen oder künstlerisch-pädagogischen Musikstudiums („Quereinsteiger“) ab dem Wintersemester 2025/2026 ein viersemestriger Aufbaustudiengang Lehramt Musik mit dem Ziel eines Master of Education (M.Ed.) angeboten, der für das Unterrichten an Gymnasien und Sekundarschulen qualifiziert.

Räumliche Anbindung

Seit dem Jahr 2000 befinden sich die beiden Musikabteilungen unter einem Dach in einem großen modernen Gebäude zusammen mit der Zweigbibliothek Musik der MLU, der Musikbibliothek der Stadt Halle und der Bibliothek des Händel-Hauses in zentraler Lage in Halles Altstadt. Die kurzen Wege bedeuten für Studierende und Lehrende über das Fachliche hinaus eine logistische Erleichterung in der interdisziplinären Arbeit. So besuchen Lehramtsstudierende im Rahmen ihrer Ausbildung auch musikwissenschaftliche Veranstaltungen.
Durch die räumliche Nähe des Gebäudes zum Händel-Haus erhielt das neue Quartier den Namen Händelhaus-Karree, in dem auch die Hochschule für Kirchenmusik beheimatet ist.
Den Studierenden beider Abteilungen stehen über das modularisierte Studienangebot hinaus zahlreiche studentische Ensembles der Abteilungen sowie der Universität wie das Akademische Orchester, der Universitätschor „Johann Friedrich Reichardt“ , das Orchester der Medizinischen Fakultät, die Uni-Bigband oder das Improvisationstheater „Händels Harlekine“ zur musikalischen Mitwirkung offen. Hinzu kommen öffentliche Musizierabende sowie Dozent:innen- und Prüfungskonzerte.
All diese Standortfaktoren, zusammen mit einer lebendigen Studierenden- und Clubszene, zahlreichen Theatern, einer Kunsthochschule, Programmkinos und einer aktiven alternativen Szene machen das Musikstudium in Halle nicht nur fachlich attraktiv, sondern bieten auch, wie im Film über die Musikabteilungen des IMMS zu hören ist, einen „kreativen Nährboden“, der einfach Lust auf ein Studium in Halle macht.

Quellen

Website der Abteilung Musikwissenschaft (14.07.2025)
Website der Abteilung Musikpädagogik (14.07.2025)
Musikwissenschaft studieren / Uni Halle, Film (14.07.2025)
Das Musikinstitut der Martin-Luther-Universität stellt sich vor, Film (14.07.2025)
Klein, Christine (1999): Ein halbes Jahrhundert Musikpädagogik. Geschichte eines Instituts an der Universität Halle, scientia halensis 4/1999, S. 16–17.
Ruf, Wolfgang / Timm-Hartmann, Cordula (1999): Das Phänomen Musik in seiner Komplexität. Musikwissenschaft an der halleschen Universität, scientia halensis 4/1999, S. 3–4.

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.