Kloster Jerichow

Jazz im Kloster Jerichow, Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH / Rolf Klatt

Location

Klänge, die Geschichte spürbar machen“ – ob bei den traditionsreichen Jerichower Sommermusiken oder dem dreitägigen Festival Jazz im Kloster: Das Kloster Jerichow bietet eine einzigartige Mischung aus geschichtsträchtigem Ambiente, besonderen Veranstaltungsorten und einer Vielfalt an musikalischen Genres. Gelegen in der Stadt Jerichow im Nordosten Sachsen-Anhalts, gilt es als Wiege der norddeutschen Backsteinarchitektur. Es befindet sich touristisch gut erschlossen an Elberadweg und Jakobsweg sowie der landesweiten Straße der Romanik. Träger ist die öffentlich-rechtliche Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, der das Kloster im Jahr 2022 als Eigentum zugeführt wurde.
Mit seiner Verbindung aus Museum, Bildungsstätte für Kinder und Erwachsene, Tagungsort und Veranstaltungslocation hat sich das Kloster zu einer der prägenden Kultureinrichtungen in der Region entwickelt. Alle kulturellen Angebote sind in einem umfangreichen Veranstaltungskalender auf der Website des Klosters zu finden. Mehrere Klosterbereiche wie die Storchenscheune, der Innenhof des Kreuzganges oder die Klosterwiese können angemietet werden und sind auch für Konzerte geeignet.

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Im Kloster Jerichow in der Altmark, Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH

Geschichte

Hervorgegangen ist das Kloster Jerichow aus einem im Jahr 1144 gegründeten Chorherrenstift des Ordens der Prämonstratenser. Laut einer vom Grafen und damaligen Bremer Dompropst Hartwig von Stade ausgestellten Stiftungsurkunde mit Geldmitteln und Grundbesitz ausgestattet, siedelten sich Chorherren aus dem Magdeburger Kloster Unser Lieben Frauen zunächst mitten im Ortskern von Jerichow an. Der „Tumult des Markttreibens“ veranlasste sie aber bereits nach kurzer Zeit ihre Niederlassung zu verlegen. Durch Gütertausch erhielten sie im Jahr 1148 das Gelände am heutigen Klosterstandort nördlich des damaligen Ortes Jerichow. Beginnend mit der Stiftskirche, nahm im Verlauf des 12. und 13. Jahrhunderts die romanische Klosteranlage mit Klausur, zahlreichen Wirtschaftsgebäuden und Umfassungsmauer Gestalt an.
Wegen eines Mangels an Natursteinvorkommen in der Region und der guten Verfügbarkeit von Lehm entschied man sich für Backstein als Baumaterial. Die Jerichower Stiftskirche gilt heute als eines der ältesten Bauwerke in dieser ursprünglich aus Oberitalien stammenden Bauweise und als herausragendes Beispiel der norddeutschen Backsteinromanik.
Das Jerichower Chorherrenstift bestand bis ins 16. Jahrhundert hinein und wurde im Jahr 1552 im Zuge der Reformation aufgelöst. Der Versuch einer Wiederbelebung durch die Prämonstratenser während des Dreißigjährigen Krieges scheiterte, Stadt und Kloster wurden verwüstet. Danach diente die Klosteranlage lange Zeit als Domäne verschiedenen wirtschaftlichen Zwecken. In der DDR-Zeit wurde sie als volkseigenes Gut (VEG) geführt. Die mehrfach restaurierte Stiftskirche erfuhr eine durchgehende Nutzung durch evangelische Kirchengemeinden.
Nach einer Zeit provisorischer Eigentumsregelungen nach der politischen Wende 1990 und mehrjährigen Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen nahm im Jahr 2004 die neu gegründete Stiftung Kloster Jerichow ihre Arbeit als Verwalterin und Eigentümerin der Klosteranlage auf. Stifter waren das Land Sachsen-Anhalt, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, der Landkreis Jerichower Land, die Stadt Jerichow, die evangelische Kirchengemeinde Jerichow und der Förderverein „Erhaltet Kloster Jerichow e.V.“. Aufgrund struktureller Unterfinanzierung und einer bestehenden finanziellen Notlage wurde die Stiftung 2022 von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt übernommen.
„Die in großen Partien stilrein erhaltene romanische Klosteranlage ist heute eine der meistbesuchten Stationen an der Straße der Romanik.“

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Kloster Jerichow, Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt / Harald Krieg

Konzerte

Die renommierten Jerichower Sommermusiken, die im Jahr 2025 ihr 40-jähriges Bestehen feiern konnten, finden jährlich einmal im Monat von Mai bis Oktober in der Stiftskirche mit ihrer ganz besonderen Akustik statt. In sechs Konzerten erklingt Musik vom Mittelalter über Barock und Klassik bis hin zu Folk, Jazz und Pop. Die Spannbreite reicht von Soloauftritten und kleinen Ensembles bis hin zu Chören. Künstlerinnen und Künstler, die Teil der Sommermusiken werden möchten, können sich gerne bei den Veranstalter:innen bewerben.
Das Festival Jazz im Kloster bringt jeweils am zweiten Augustwochenende sowohl etablierte und internationale Stars der Jazzszene als auch Newcomer und junge Talente aus der Region auf die große Bühne auf der Klosterwiese und in die Kirche. Einmal im Jahr für drei Tage verwandelt sich dabei das Klostergelände „in eine lebendige Bühne für Jazzmusik auf höchstem Niveau“. Seit 2025 steht die 2019 gestartete Konzertreihe unter der Regie und Gesamtverantwortung der Altmark Festspiele. Mit zum Format des Festivals gehört eine Jazzandacht am Sonntagmorgen in der Stiftskirche.
Weitere Konzertangebote, die Klosteratmosphäre und Festtagsstimmung miteinander verbinden, gibt es zu besonderen Anlässen wie Advent und Neujahr.

„Das Kloster Jerichow ist unverzichtbarer Bestandteil der Kulturlandschaft Sachsen-Anhalts. Es ist ein Baudenkmal von gesamtstaatlicher Bedeutung und als Museums-, Veranstaltungs- und Kulturinstitution für das Land Sachsen-Anhalt von unschätzbarem Wert“ (Rainer Robra, Staatsminister und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt).

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Jazz im Kloster Jerichow, Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH / Rolf Klatt
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Jazz im Kloster Jerichow, Foto: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH / Rolf Klatt
Quellen, weitere Informationen und Kontakt
Website Kloster Jerichow (23.02.2026)
Kloster Jerichow bei Museum Virtuell (23.02.2026)
Kloster Jerichow – ältester Backsteinbau nördlich der Alpen, YouTube-Video (23.02.2026)
Website Altmark Festspiele (23.02.2026)
Kaufmann, Damian (2022), Stiftskirche Jerichow – Wiege der norddeutschen Backsteinarchitektur (23.02.2026)
Schlinkert, Heinz (2025), Jazz im Kloster Jerichow – Ein Livebericht (23.02.2026)
Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt, Pressemitteilung (2021), Kulturarbeit und Arbeitsplätze im Kloster Jerichow langfristig gesichert (23.02.2026)
 
Sabine Gottschling
Veranstaltungen, Raumvermietungen, Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt | Kloster Jerichow
Am Kloster 1
39319 Jerichow
T: +49 39343 929 925

sabine.gottschling@kulturstiftung-st.de

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.