Location
Die Dessauer Marienkirche in unmittelbarer Nähe von Rathaus und Stadtschloss gilt als ältestes Bauwerk der Stadt und ist eine der südlichsten Repräsentantinnen der norddeutschen Backsteingotik. In der ehemaligen Schloss- und Stadtkirche wurden über viele Jahre die Fürsten von Anhalt-Dessau in Grüften beigesetzt. Lange Zeit blieb das im Zweiten Weltkrieg bis auf die Umfassungsmauern zerstörte Gebäude eine Ruine. In den 1990er-Jahren erfolgte schließlich der Wiederaufbau als Veranstaltungsort für unterschiedlichste kulturelle Zwecke wie Konzerte, Theater und Ausstellungen.
Heute finden hier Inszenierungen des Anhaltischen Theaters Dessau und Aufführungen im Rahmen des renommierten Kurt Weill Festes ebenso statt wie Veranstaltungen von Dessauer Chören und Tanzgruppen sowie der beliebte Weihnachtsmarkt mit regionalen Kunsthandwerkern. Seit 2022 residiert in der Marienkirche das neu gegründete Mitteldeutsche Theater des Schauspielers, Kabarettisten und Sängers Dieter Hallervorden, der 1935 in Dessau geboren wurde.
Mit einer Fläche von 762 m² hat das Kirchenschiff eine Kapazität von 305 Plätzen in 18 Sitzreihen. Eine mobile Licht- und Tonanlage steht zur Verfügung. Besucher:innen schätzen die gute Akustik sowie das besondere Ambiente des ehemaligen Gotteshauses.
Geschichte
Fürst Ernst von Anhalt-Dessau ließ die Marienkirche von 1506 bis 1523 vom halleschen Ratsbaumeister Ulrich von Schmiedeberg als Hallenkirche im spätgotischen Stil anstelle eines romanischen Vorgängerbaus aus dem 13. Jahrhundert errichten. Trotz bereits erfolgter Kirchenweihe im Jahr 1523 zogen sich die weiteren Ausbauarbeiten wie die Konstruktion des Deckengewölbes und die künstlerische Ausschmückung des Kirchenraumes bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts hin, sodass auch Elemente der sich verbreitenden Renaissance in das Bauwerk einflossen. Im 18. und 19. Jahrhundert zweimal renoviert und umgestaltet, fiel fast das gesamte Innere der Kirche einem alliierten Luftangriff am 7. März 1945 zum Opfer.
Im Jahr 1992 übernahm die Stadt Dessau die Ruine von der Evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien in Erbbaupacht. Die Gemeinde hat aber immer noch ein Vetorecht, mit dem sie auf Veranstaltungen in der Marienkirche Einfluss nehmen kann.
Beim Wiederaufbau ging es bewusst nicht um eine originale Rekonstruktion des Gebäudes. So gibt es heute keine hochragende, ausgemalte Gewölbedecke mehr. Eine schlichte, flache Holzbalkendecke und unverputzte Ziegel- und Feldsteinmauern legen Zeugnis von den Narben der Geschichte ab. Die auf kommunale Friedhöfe ausgelagerten sterblichen Überreste zahlreicher Mitglieder der anhaltinischen Fürstenfamilie befinden sich nach Umbettung und Wiederbestattung inzwischen wieder in der Marienkirche.
Bereits im Oktober 1994 konnten die Dessauer Bürger:innen bei einer Aufführung des „Jedermann“ von Hugo von Hoffmannsthal einen ersten Eindruck vom Wandel der Marienkirche zum Veranstaltungsort gewinnen. Nach Abschluss sämtlicher Bauarbeiten eröffneten die Jugendbigband Anhalt und das damalige Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt – heute Landesjugendbigband Sachsen-Anhalt – am 5. Dezember 1998 die neue Spielstätte offiziell.
Die Wiedererrichtung und durchgehende kulturelle Nutzung der Marienkirche und die daraus resultierenden Synergien leisten heute einen wesentlichen Beitrag zur Aufwertung der im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten Dessauer Mitte.
Quellen
Website der Marienkirche, Stadt Dessau-Roßlau (07.05.2026)
Die St.-Marien-Kirche und ihre Geschichte, Gemeindeverband Dessau-Nordost (07.05.2026)
Mitteldeutsches Theater in der Marienkirche (07.05.2026)
Veranstaltungen in der Marienkirche bei regioactive.de (07.05.2026)
Umnutzung in Dessau: Marienkirche – vom Gotteshaus zum Musentempel, Holger Zürch, Leipziger Zeitung vom 19.12.2021 (07.05.2026)
Marienkirche wird Sanierungsfall, Heidi Thiemann, MZ.de vom 02.02.2026 (07.05.2026)
Weitere Informationen und Kontakt
Stadt Dessau-Roßlau
Kulturamt
Zerbster Straße 4
06844 Dessau-Roßlau
E-Mail: kulturamt@dessau-rosslau.de