Musikalisches Kompetenzzentrum Sachsen-Anhalt

MultiPhonics 2025, Workshop mit Marco Blaauw und Max Grimm, Foto: © Christian Küster

Institution

Neue Musik aus Sachsen-Anhalt im Schulunterricht, kann das funktionieren? Dass es möglich ist, beweist schon seit vielen Jahren die erfolgreiche Arbeit des Musikalischen Kompetenzzentrums Sachsen-Anhalt (MKM).
Seit dem Jahr 2005 ist das MKM im Bereich der musikalischen Bildung und insbesondere der Vermittlung zeitgenössischer Musik aus Sachsen-Anhalt tätig. Eingerichtet wurde es zunächst am Magdeburger Konservatorium Georg Philipp Telemann unter der Leitung von dessen damaligem Direktor Helmut Keller. Im Jahr 2010 wechselte es als Landesprojekt zum Kulturbüro der Stadt Magdeburg, seit 2023 mit Sitz im „Haus der Musik“, dem historischen Gesellschaftshaus am Klosterbergegarten.

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Probe des Ensembles Junge Musik, Foto: Viktoria Kühne

Aufgaben

Zu den zentralen Aufgaben des MKM zählt die Entwicklung und Umsetzung innovativer Projekte und Angebote im Rahmen von „musikpraktischen, bildungspolitischen und musikdidaktischen Vorhaben“ in Sachsen-Anhalt gemeinsam mit kompetenten Partner:innen, wie auf der Website des Kompetenzzentrums zu lesen ist. Mit zum Tätigkeitsprofil gehören dabei die „Kooperation und Vernetzung mit musikbildenden Institutionen, Universitäten, Hochschulen und Verbänden im gesamten Land“, darunter der Landesmusikrat e.V., der Landesverband der Musikschulen Sachsen-Anhalt e.V. sowie der Chorverband Sachsen-Anhalt e.V.

Lag der Schwerpunkt zunächst auf der Fort- und Weiterbildung von Musik- und Instrumentallehrkräften im Bereich der Neuen Musik sowie Projektangeboten für den Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen, hat sich das MKM inzwischen zu einer Institution mit breit gestreuten Kompetenzen und Tätigkeitsfeldern entwickelt. So liegt der Fokus heute neben dem schulischen Bereich verstärkt auf der Förderung des kompositorischen Nachwuchses, u. a. durch Unterstützung der Komponist:innenklassen im Land, die Organisation und Durchführung des alle zwei Jahre stattfindenden Jugendkompositionswettbewerbs Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Deutschen Tonkünstlerverband Sachsen-Anhalt e.V. sowie die gemeinschaftliche Förderung des Ensembles Junge Musik in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Musikschulen Sachsen-Anhalt, dem Gesellschaftshaus Magdeburg und dem Magdeburger Musikverein e.V.
Ebenfalls als Gemeinschaftsprojekt mit dem Gesellschaftshaus und dem Magdeburger Musikverein organisiert das MKM seit 2021 das Festival „MultiPhonics – Tage der jungen Musik“ als Plattform für junge Nachwuchsmusiker:innen und -komponist:innen aus der Region.

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MultiPhonics 2025, Nachwuchsbigband der Musik- und Kunstschule Stendal, Foto: Musikalisches Kompetenzzentrum Sachsen-Anhalt

Angebote 

Herausragende Säule der Arbeit des Musikalischen Kompetenzzentrums ist nach wie vor die Bereitstellung und Vermittlung kostenfreier musikdidaktischer Projekt- und Workshopangebote für den Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen aller Schulformen, umgesetzt im Projekt „Neue Musik in der Schule“. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf Schulen im ländlichen Raum außerhalb der Ballungszentren Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau. Durchgeführt werden die rege nachgefragten Veranstaltungen von ausgewählten, kompetenten Musiker:innen, Pädagog:innen und Komponist:innen in der jeweiligen Schule vor Ort. Musikalische Vorkenntnisse oder das Spielen eines Instrumentes seitens der Schüler:innen werden in der Regel nicht vorausgesetzt.
Das MKM stellt auf seiner Website eine ausführliche Broschüre zum Download bereit, die zahlreiche verschiedene Angebote auflistet, versehen jeweils mit Altersangaben für die anvisierte Zielgruppe von Klasse 1 bis 12. Auch die Jüngsten erhalten bereits einen kreativen Zugang zur Musik und lernen, „ihre Umwelt zu entdecken und erste Formen des Musizierens auszuprobieren“, wie das MKM mitteilt. Gleichzeitig werden die Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisiert, bewusst aufeinander zu hören, miteinander zu arbeiten und die sie umgebenden Geräusche, Klänge und Rhythmen im Alltag wahrzunehmen. Auch Förderschulen können sich für geeignete Angebote bewerben.
 
In den Workshops nähern sich die Kinder und Jugendlichen der Musik vorwiegend praxisorientiert, so z. B. beim Musizieren mit Boomwhackern und Cajon, bei Bodypercussion, Songwriting, Improvisieren, Komponieren (auch mithilfe von Loops oder Künstlicher Intelligenz) sowie der Produktion eines Hörspiels oder ASMR-Podcasts als besondere Form der Audiokunst. Dabei geht es vor allem um die Förderung von Kreativität und Einfallsreichtum beim Experimentieren mit Klängen und Instrumenten, auch unter Einbeziehung neuer Medien. Der zeitliche Umfang und die Herangehensweise bei den einzelnen Angeboten variieren und reichen von der Doppelstunde mit Vortrag und Diskussionsrunde bis hin zum Projekt über mehrere Tage.
 
Im Workshop „Komponisten hautnah“ lernen Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 12 regionale Komponist:innen und ihr kompositorisches WerkWerk Werk ist die Zusammenfassung von Gehäuse, Pfeifen und Windlade eines selbstständigen Teils der Orgel. Jedes dieser Teilwerke wird in der Regel mit einer eigenen Tastatur gespielt. vis-à-vis im Gespräch kennen. So entsteht eine Art Win-win-Situation, von der nicht nur die Lernenden profitieren, sondern auch die im Land lebenden und wirkenden Komponistinnen und Komponisten selbst, die auf diese Weise ihr Schaffen einem jungen Publikum nahebringen und gleichzeitig dessen Bezug zur Musikregion Sachsen-Anhalt stärken können.
Darüber hinaus stellt das MKM mit der Reihe Komponisten aus Sachsen-Anhalt vier CDs mit musikwissenschaftlich aufbereiteten Begleitheften inklusive Notenmaterial und Begriffserläuterungen sowie Flyer zu Leben und Werk sachsen-anhaltischer Komponist:innen kostenlos für den Unterricht zur Verfügung. Als weiteres Angebot für Schulen übernimmt es nach vorheriger Anmeldung die Kosten für ausgewählte schuleigene Projekte zur Vermittlung Neuer Musik.
 
Im Rahmen einer Mikroprojektförderung bietet das MKM seit 2024 auch freien Trägern, Institutionen, Vereinen und Akteur:innen im Land finanzielle Unterstützung für Projekte zur musikkulturellen Bildung an. Zahlreiche Veranstaltungen konnten auf diese Weise bereits gefördert werden. Interessierte finden Näheres zu den Förderbedingungen hier.

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.