Rock im Garten

Foto: Christiane Lange

Das Festival

Dass Punk und Dorfleben einander ausschließen, ist ein Klischee, das sich erstaunlich hartnäckig hält: Bunte Haare, Nietenjacken und politische Haltung passen angeblich nicht in die beschauliche Landidylle zwischen Fachwerk und Feuerwehrfest. Wer wissen will, wie überholt dieses Bild ist, muss nicht weit reisen – ein Besuch in Rohrsheim genügt.
In dem kleinen Ort nahe der niedersächsischen Grenze findet seit über 15 Jahren das Rock im Garten Festival statt. Was einst als Geburtstagsparty mit Livemusik begann, ist heute ein liebevoll organisiertes Festival, das nicht nur Punkfans aus ganz Deutschland anzieht, sondern auch das ganze Dorf einlädt. Hier funktioniert Punk ganz familiär.
Veranstaltet wird das Ganze nach wie vor im namensgebenden Garten, irgendwo zwischen Bühne, Biertheke und Bällebad. Denn tagsüber gibt’s hier auch Hüpfburg und Familienprogramm – nicht ungewöhnlich also, dass nach den Sommerferien auffallend viele Kindergartenkinder mit Festivalbändchen auftauchen. Die familiäre Atmosphäre ist kein Nebeneffekt, sondern Prinzip. Wer aus dem Dorf kommt, zahlt keinen Eintritt. Wer mithilft, auch nicht.

Hinter dem Festival steht ein kleiner Verein, entstanden aus dem Wunsch, die Last auf mehr Schultern zu verteilen – vor allem die finanzielle. Denn dass hier mittlerweile Bands wie ZSK, Alarmsignal oder Fahnenflucht auf der Bühne stehen, hätte damals niemand gedacht. Inzwischen bewerben sich jährlich hunderte Bands. Das Festival bleibt ehrenamtlich organisiert, ohne kommerziellen Druck, aber mit viel Herzblut.
Und weil Haltung nicht nur auf der Bühne stattfindet, zeigen die Veranstalter:innen auch abseits der Musik klare Kante: Gegen Rechts, für Vielfalt, und mit Partner:innen wie dem antifaschistischen Zora e.V., der mit dem Getränkeverkauf gleichzeitig wichtige Aufklärungsarbeit unterstützt.
Ein kleines Highlight vor dem eigentlichen Festival ist das Rock im Garten – Akustik. Dann trifft Punk auf Folk, und die Singer/Songwriter werden vom örtlichen Stadtorchester unterstützt. Klassik, Filmmusik und Brass-Arrangements treffen auf DIY-Spirit – wenn das nicht mal Punk ist.

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Punkrock in familiärer Atmosphäre Foto: Yulian Ide
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Pogo zur Musik von Rastaknast Foto: FH Eventfotografie
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Junges Publikum beim Rock im Garten Foto: Kerstin Kühne

Weitere Informationen und Kontakt

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Helen Hahmann

Helen arbeitet freiberuflich für das Netzwerkbüro und ist die verantwortliche Redakteurin für das Projekt #volltemperament. Die promovierte Musikethnologin ist unter anderem Expertin für das Instrument mit den 1000 Namen, das in jede Hosentasche passt: die Maultrommeln, sowie für das Jodeln und die Jodlerwettstreite im Harz. Sie arbeitet darüber hinaus als Hörfunkautorin und Audiobiografin.