Namhafte Festivals der alten und klassischen Musik sind in Sachsen-Anhalt fest etabliert und locken jährlich begeisterte Musikfans ins Land. Mit der Stadt aus Eisen Ferropolis findet sich hier zudem der Austragungsort riesiger Festivals wie dem Splash!. Aber abseits von Historie und Superlativen finden sich viele spannende Projekte junger Engagierter, die auf eigene Faust Festivals umsetzen und so überall in Sachsen-Anhalt Popkultur gestalten. Netzwerkkoordinator Jonathan Hohmann sprach mit den Menschen hinter den Festivals Rock im Garten, BURNINGSTONE Festival, Dessauer Sommer, CoSy Festival und Aktion Musik / local heroes e.V. und stellt sie vor.
Ein Garten, ein Stadion, ein Stück Land im Westfläming und gleich zwei Schlösser verwandeln sich diesen Sommer zu Orten, an denen gemeinsam getanzt, gefeiert, gepogt und gegessen wird. Musikalisch unterscheiden sich die Festivals, die hier stattfinden, doch sie teilen das Ziel, Orte und Regionen, an denen sonst nur wenig oder gar keine junge Popkultur stattfindet, zu beleben und dabei Menschen zusammen zu bringen. Auch biografische Bezüge zu den Veranstaltungsorten spielen bei den meisten der Festivalmacher:innen eine Rolle. Oft gehört zu ihrer Motivation, neben der Leidenschaft für Musik, nämlich auch der Wunsch, das Kulturleben des eigenen Heimatorts zu bereichern. Manche von ihnen sind an diesen Orten aufgewachsen und geblieben, andere zurückgekehrt und wieder andere kommen jeden Sommer für ihr Festival zurück.
Hinsichtlich ihrer Struktur und Organisation unterscheiden sie sich, sind teilweise als Kollektiv oder Verein organisiert, während bei anderen vor allem passionierte Einzelpersonen die Programm- und Veranstaltungsplanung übernehmen und beim Festival selbst tatkräftige Unterstützung von ihrem Netzwerk bekommen. Besonders bemerkenswert sind dabei die vielen lokalen Kooperationen, die zum Gelingen der Festivals beitragen. Beim BURNINGSTONE Festival gibt es Essensspenden von Anwohner:innen aus eigenem Anbau und einen Shuttleservice vom Bahnhof, den die freiwillige Feuerwehr organisiert. Der Zora e.V. aus Halberstadt organisiert eine Solibar mit selbstgemachten Shots beim Rock im Garten, wo außerdem das lokale Freibad die Festivalgäste umsonst willkommen heißt. Der Dessauer Sommer zeigt zudem, wie auch kommerzielle Kooperationen dem Prinzip der regionalen Verankerung folgen können: Den Backstagebereich für die vielen Künstler:innen und Bands betreut und gestaltet hier nämlich Meryem Pohl, die mit ihrem Unternehmen sonst vor allem Hochzeiten und Firmenfeiern durchführt und eigentlich nicht aus dem Festivalbereich kommt. Während die Festivalbranche und die Kulturlandschaft allgemein seit einigen Jahren an ständig steigenden Preisen, insbesondere im Ehrenamt an Nachwuchsproblemen und finanziellen wie strukturellen Unsicherheiten leidet, präsentieren diese Kooperationen praktische Lösungsansätze.
Natürlich sind das noch lange nicht alle Festivals, die Sachsen-Anhalt zu bieten hat. Ab Mai gibt es bis in den Herbst so gut wie jedes Wochenende die Möglichkeit, Festivalluft zu atmen. Nicht für alle gibt es noch Tickets, aber wer beim Lesen dieses Textes Lust auf Open-Air-Musik und Sonne bekommt, sollte unbedingt eines der folgenden Festivals besuchen.
All inclusive beim Festival? Das geht!
Das BURNINGSTONE Festival verdankt seinen Namen nicht dem legendären Burning Man Festival in der Wüste Nevadas, sondern der beschaulichen Ortschaft Brandenstein, die etwa 25 km von Möckern entfernt liegt und von gerade einmal 50 Menschen bewohnt wird. Die meisten der umliegenden Bahnhöfe werden nicht mehr angefahren. Allein hierher zu kommen, kann also schon eine Herausforderung sein – vor allem ohne Auto. Trotzdem entschied eine Gruppe von Freund:innen, dass genau hier der richtige Ort ist, ein Festival zu veranstalten. Man kannte sich aus dem nahegelegenen Magdeburg und plante ursprünglich nur ein Event im privaten Kreis. Das funktionierte so gut, dass der Wunsch wuchs, es zu wiederholen und zu öffnen. Im Zuge dieser zunehmenden Professionalisierung wurde nach der Coronapandemie dann der vakant e.V. gegründet, der mit seinem vierzehnköpfigen Kernteam das Festival veranstaltet. Seit der Vereinsgründung ermöglichen Fördermittel dem Festival einen gewissen finanziellen Spielraum. Aber auch vollkommen ohne finanzielle Unterstützung habe man das Festival gut bewältigen können, erzählt Antonia, die von Anfang an beim Team des Festivals dabei ist. Sie betont: Der unkommerzielle Charakter des Festivals steht im Mittelpunkt. Dabei geht es nicht nur darum, für ein Wochenende voller Party dem Alltagstrott zu entfliehen, sondern einen kulturellen Freiraum bewusst alternativ zu gestalten. Deshalb ist das Festival ein geldfreier Raum. Mit dem Ticket erkauft man sich nämlich nicht nur Zugang zum Festivalgelände, sondern auch zur KüFa, der Küche für alle, die die Besucher:innen mit Essen versorgt und eine Bar des Vertrauens bereithält. Die Mahlzeiten werden so gemeinschaftlich zelebriert. Dosenravioli und Einweggrill adé! Hinzu kommen praktische Vorteile. Zum einen ist die KüFa besonders nachhaltig und setzt auf regionale Kooperationen mit Nachbar:innen, Landwirt:innen und einer Bäckerei. Zum anderen erleichtert sie maßgeblich die Anreise ohne Auto. Die Zusammenarbeit mit der freiwilligen Feuerwehr sorgt dafür, dass eine Anreise mit der Bahn von Magdeburg oder Berlin unkompliziert möglich ist. Und auch für die Feuerwehr springt dabei etwas raus: Die Spenden, die die Besucher:innen für den Shuttle zahlen, sind für sie nämlich eine willkommene Gelegenheit, Geld einzunehmen, das sie in Equipment für Feuerwehrwettkämpfe stecken können.


Musikalisch dominiert klar die elektronische Musik, aber einschränken will man sich nicht. Eine Vielzahl an Liveacts runden das musikalische Programm ab von Rap über Jazz bis hin zur neuen neuen deutschen Welle. Auch dieses Jahr können sich die Besucher:innen auf ein diverses Line-Up freuen! Komplettiert wird das Programm dieses Jahr durch ein Theaterstück, das sich mit (P)Ostwende Identitäten auseinandersetzt, Kunstvermittlung zum Mitmachen und vieles mehr. Und ein besonderes Extra gibt es für die Nachbar:innen, die schon während der Aufbauphase zu einer Pre-Party mit Grillen eingeladen werden. So schafft der vakant e.V. ein Festivalgelände, das zugleich Labor für kollektive Ideen ist, an einem Ort, wo sonst Mähdrescher stehen.
700 Punks in Muttis Garten
Dem Klischee nach pflegen Punks und vor allem Dorfpunks zu ihren Eltern ja eher schwierige Verhältnisse. Bunte Haare, zerrissene Kleider und Piercings passen manchmal nur schwer in die familiäre oder ländliche Idylle. Ein Beispiel dafür, wie überholt dieses Klischee in Wirklichkeit ist, findet man im Harz. Im kleinen Ort Rohrsheim nahe der niedersächsischen Grenze veranstaltet eine kleine Gruppe Punkbegeisterter jetzt schon seit über 15 Jahren das Rock im Garten Festival. Auch hier begann die Festivalgeschichte mit einer privaten Veranstaltung, in diesem Fall mit einer Geburtstagfeier inklusive Konzert. Veranstaltungsort ist seit dem der namensgebende Garten. Er gehört Inge, der Mutter von Christian, dem Kopf des Festivals, der von allen nur Obi genannt wird. Dieses Jahr ist das Festival zum ersten Mal schon Monate vorher ausverkauft. Auch beim Rock im Garten begann die Professionalisierung 2019 mit der Vereinsgründung. Damals ging es noch darum, Obi zu entlasten, der die Bandgagen bis dahin privat ausgelegt hatte. Dass das dazu führt, dass sechs Jahre später ZSK als Headliner auftreten, hätte damals aber niemand gedacht, erzählt Obi. ZSK, das sei an dieser Stelle angemerkt, spielen sonst nämlich in Sälen, die ein Vielfaches der Rohrsheimer Gesamtbevölkerung fassen! Das hat aber nichts daran geändert, dass alle Beteiligten komplett ehrenamtlich arbeiten. Nur der Eintritt ist für Helfer:innen frei. Und nicht selten kommen Gäste, die aus ganz Deutschland zum Festival anreisen, als Helfer:innen wieder.

Das Rock im Garten lebt von seiner familiären Atmosphäre. Und das, so Obi, bleibt auch so, auch wenn es schon im März ausverkauft ist. Für Gäste aus Rohrsheim gilt zudem ohnehin, dass sie keinen Eintritt zahlen müssen. Einer von ihnen sitzt am Einlass und weil hier jeder jeden kennt, funktioniert das problemlos. Tagsüber gibt es ein Familienprogramm mit Bällebad und Hüpfburg und so ist es in Rohrsheim ganz normal, dass auch der halbe Kindergarten nach den Sommerferien Festivalbändchen am Arm trägt. Da ist es dann auch egal, dass die Mehrheit der Leute vor Ort eigentlich keinen Punkrock hört. Zum Festival kommen sie trotzdem gern. Dorfpunks gibt es in Rohrsheim, mal abgesehen von einem Endzwanziger mit Feine Sahne Fischfilet T-Shirt, nicht mehr, sagt Obi. Aber das könne sich ja ändern! Wichtig für die Festivalmachenden ist vielmehr, dass es weiterhin solche Veranstaltungen gibt, auch wenn am Wochenende kein Bus mehr fährt. Dass sie eine klare Kante zeigen, liegt den Festivalmacher:innen hier besonders vor dem Hintergrund des aktuellen Erstarkens der extremen Rechten am Herzen. Auch deshalb haben sie den Zora e.V. aus Halberstadt eingeladen, sich am Getränkeverkauf zu beteiligen, denn diese Einnahmen werden dringend gebraucht.


Neben ZSK stehen mit Alarmsignal und Fahnenflucht noch weitere Deutschpunkgrößen auf dem Programm. Dazu kommen Newcomer und lokale Bands. Vor Anfragen von Bands kann sich das Festival mittlerweile kaum mehr retten, sagt Obi. Dieses Jahr waren es ungefähr so viele wie auch Besucher:innen zum Festival kommen. Einstimmen kann man sich schon einen Monat vorher beim Rock im Garten – Akustik. Dann werden nicht nur zwei Singer/Songwriter auf der Bühne stehen, sondern ein dritter Act, der zeigt, dass lokale Kooperationen nicht nur organisatorisch, sondern auch künstlerisch denkbar sind: Das Stadtorchester Dardesheim aus dem Nachbarort eröffnet den Abend mit Klassik, Polka und Filmmusik. Wenn das nicht mal Punk ist.
Weitere Infos und Merch gibt es hier.
Summer in the City
Dass Festivalfeeling auch mitten in der Stadt möglich ist, will dieses Jahr der Dessauer Sommer beweisen. Und weil es noch nicht ambitioniert genug ist, ein neues Festival aus dem Boden zu stampfen, hat man sich das zusätzliche Ziel gesetzt, direkt ein Stadion zu füllen. Die Doppelstadt Dessau-Roßlau, so Pat, Kopf des Festivalteams, wünschte sich schon länger, dass das Paul-Greifzu-Stadion für Veranstaltungen genutzt wird. Als Pat dann die Idee des Dessauer Sommers präsentierte, sicherte die Stadt ihre Unterstützung zu. Bei nicht mal einem Jahr als Vorlauf- und Planungszeit hat Pats Team, der Verein Diggis Kulturbüro, trotz dieses Rückhalts mehr als genug zu tun. Ein Stadion für so ein Event vorzubereiten, bedeutet nicht nur, Bühnen- und Gastroinfrastruktur zu organisieren, sondern auch viele Quadratmeter Rasenfläche abzudecken, die nötigen Wasser- und Stromanschlüsse zu überprüfen, ein ganzes Containerdorf für den Backstagebereich anzumieten, die Lärmbelastung der umliegenden Grünflächen mit den Behörden zu koordinieren und vieles mehr.


Wenn all das geschafft ist, werden Acts wie Culcha Candela, Disarstar, Frittenbude oder Mariybu an zwei Samstagen vor je bis zu 10.000 Menschen performen. Die Aufteilung des Programms auf zwei Samstage ermöglicht es anreisenden Besucher:innen, entweder in Dessau zu übernachten oder nach den Konzerten wieder abzureisen. Eine Chance für Festivalbegeisterte, die den Komfort des eigenen Bettes nicht mehr missen wollen. Aber auch zwischen den beiden Festivaltagen wird es in Dessau Konzerte geben, wie Pat verriet. Infos dazu folgen noch.

Mit einem regelmäßigen Konzertangebot will der Verein die Zeit des legendären Dessauer Beatclubs wieder aufleben lassen, als Dessau eine lebendige Pop-, Club- und Subkulturszene besaß. Pat erinnert sich an diese Zeit, etwa an das Konzert der Broilers vor 20 Jahren. Damals, sagt Pat, war Dessau bei tourenden Bands eine beliebte Station. Der Dessauer Sommer ist der Auftakt des Projekts, an diese Zeit anzuknüpfen. So sollen sowohl für Dessaus junge Bevölkerung als auch für Musiker:innen und Bands Perspektiven geschaffen werden. Denn für junge Dessauer:innen fehlen die kulturellen Angebote, sagt Pat. Dessau ist die Stadt mit der ältesten Bevölkerung Deutschlands. Und wie es um die Auftrittsmöglichkeiten für Musiker:innen und Bands bestellt ist, ist unter dem Stichwort Clubsterben aktuell in aller Munde. Hier setzen Pats Team und der Dessauer Sommer mit großen Plänen an: Auf das erste Festival sollen viele Veranstaltungen und Konzerte, nicht nur im Sommer, folgen!
Kollektiv kontrastreich
Der etwas abstrakt anmutende Slogan Contrasts in Symbiosis gibt in seiner gekürzten Form dem CoSy Festival seinen Namen. Dort werden seit 2024 Widersprüche zelebriert, die am markantesten sicherlich in einem historisch-barocken Setting in und um Schloss Dornburg zum Sound von Downtempo, House, Techno und anderen Spielarten der elektronischen Musik und psychedelischen Lichtinstallationen anschaulich werden. Das Kollektiv Love Foundation Magdeburg, das neben anderen Kollektiven das Festival veranstaltet, hat dafür gezielt nach einer historischen Kulisse gesucht und wurde mit Schloss Dornburg fündig. Seit es 2018 vom Land Sachsen-Anhalt an eine private Investmentgesellschaft verkauft wurde, steht es die meiste Zeit des Jahres über leer. Beim CoSy wird es wieder belebt. Neben den offensichtlichen Vorzügen seiner Kulisse bringt es mit dem Denkmal- und Naturschutz auch Herausforderungen mit sich, die zu einem weiteren Widerspruch führen: Hedonismus und eine Menge Arbeit. Beide Aspekte sind für das Kollektiv zentrale Aspekte des Festivals. Schon fast ein Jahr vor Festivalbeginn geht die Arbeit mit regelmäßigen Produktionsmeetings des etwa achtköpfigen Kernteams und mehreren Arbeitsgruppen los. Das heißt in der Regel mindestens ein, häufig eher mehrere Meetings die Woche zu absolvieren, bevor dann rund um die Festivalzeit der aufwendige Auf- und Abbau und auch die Beziehungs- und Vernetzungsarbeit zu den Einwohner:innen des Dorfes Dornburg dazukommen. All das geschieht vollkommen ehrenamtlich.


Und dann ist da das Thema Nachhaltigkeit, dem besondere Aufmerksamkeit zukommt: Die Festivalmacher:innen betonen die Wichtigkeit eines sorgsamen Umgangs miteinander und mit der Umwelt schon auf der Festivalwebsite thematisieren es auch im Austausch mit den Besucher:innen. Im Gespräch erzählen Laura und Butzi vom Love Foundation e.V., dass dieser Einsatz dazu führt, dass sich die Mehrheit der Besucher:innen spürbar Mühe gibt, sich am Vorsatz der Nachhaltigkeit zu beteiligen. Und wie Nachhaltigkeit zusätzlich Spaß machen kann, zeigt zum Beispiel das Projekt Bouncy Bike Tour, eine gemeinsame Fahrradtour von Magdeburg nach Dornburg, die zwei mal zum Festivalbeginn angeboten und von DJs begleitet wird.

Mit all den Aufgaben der Festivalorganisation ist das Kollektiv nicht allein. Die Love Foundation ist ein Netzwerk aus vielen Kollektiven mit verschiedenen „Hubs“ in Städten wie München, Berlin, Maastricht, Brüssel oder Magdeburg. Überall dort veranstalten sie Festivals, Partys oder andere Kulturveranstaltungen, zu denen sie sich auch gegenseitig einladen. Gemeinsam spenden sie Teile der Einnahmen dieser Veranstaltungen, um in Kooperation mit Viva Con Agua Trinkwasserversorgungsprojekte zu unterstützen. Viele der Mitglieder haben zudem freundschaftliche Kontakte zu anderen Kollektiven oder waren dort selbst früher beteiligt. Sie sind eingeladen, sich am Festival mit eigenen Bühnen und Programmen zu beteiligen. Mehr als 15 Kollektive sind vertreten und bringen ihre Ideen und Ansätze mit. Manche stehen für elektronische Musik, andere bringen Rap- oder Rockmusik mit und wieder andere gestalten die unterschiedlichen Bühnen oder andere künstlerische Projekte, etwa eine begleitende Kunstausstellung. Dieser Austausch von kontrastreichen Einflüssen zeichnet das Festival aus. Die Bühnen werden abwechselnd bespielt, mal nur im Innenraum, dann auch wieder draußen. Daneben gibt es stets genügend Räume, sich zurückzuziehen und zu entspannen.
Auch für die Zukunft des Festivals gibt es schon Ideen. Ein Wunsch des Kollektivs wären etwa Residenzen für Künstler:innen, um das Schloss auch über den Festivalzeitraum hinaus zu beleben. Butzi und Laura betonen, dass sie in der nachhaltigen kulturellen Belebung der Region auch abseits der Städte das Potenzial sehen, junge Menschen dort zu halten. Letztlich will das CoSy so auch Widersprüche zwischen Stadt- und Landleben zum Anlass nehmen, zusammenzukommen und nicht zuletzt zusammen zu feiern.
Karten und Informationen sind hierzu finden.
Held:innen von nebenan
Was wäre ein Festival ohne gute Livemusik? In der Hansestadt Salzwedel, ganz im Norden Sachsen-Anhalts, gibt es einen Verein, der sich darum kümmert, dass das eine rein rhetorische Frage bleibt. Der Aktion Musik / local heroes e.V. arbeitet nun schon fast 35 Jahre daran Nachwuchsbands und Newcomer Acts im Pop- und Rockbereich zu unterstützen und deutschlandweit auf Bühnen zu bringen. Der Verein entstand aus einer Initiative mit dem Ziel, in der damals frisch wiedervereinigten ehemaligen Grenzregion Begegnungsräume zu schaffen. Menschen aus den Landkreisen Salzwedel, Uelzen und Lüchow-Dannenberg taten sich zusammen und veranstalteten Konzerte. Julia, die seit zehn Jahren das Projekt local heroes leitet, erzählt, dass man damals schnell merkte, dass ein gewisser Wettbewerbscharakter wie ein Publikumsmagnet wirkt. So entstand die Idee des Musikpreises. Über die Jahre entwickelte sich ein bundesweites Netzwerk von Ehrenamtlichen, die in ihren jeweiligen Bundesländern Landesentscheide ausrichten. Koordiniert und zusammengeführt wird alles vom Aktion Musik / local heroes e.V. in Salzwedel, der auch den Landesentscheid für Sachsen-Anhalt ausrichtet. Für die Teilnahme am Wettbewerb müssen die Bands und Musiker:innen keine Gebühr bezahlen, es gibt kein pay-to-play oder sonstige versteckte Kosten. Möglich machen das Förderungen wie vom Land Sachsen-Anhalt oder Sponsorings wie vom Ostdeutschen Sparkassenverband. Die Acts werden über einen längeren Zeitraum begleitet und erhalten die Möglichkeit, an Workshops und Coachings teilzunehmen. Hier geht es um Sound und die Bühnenpräsenz der Musiker:innen, aber auch um Social-Media-Strategien und vieles mehr. Tom, einer der drei hauptamtlichen Angestellten der local heroes, betont, dass es dabei wichtig ist, mit der Zeit zu gehen. Die Musikwelt und das Musikgeschäft verändern sich ständig und an junge Musiker:innen werden heute ganz andere Erwartungen gestellt als noch vor zehn Jahren. Über die Jahre geblieben, so Tom, ist aber vor allem der Wunsch vieler Acts, sich intensiv Zeit nehmen zu können, über ihre Musik nachzudenken und gemeinsame Ziele zu besprechen. Ein Ziel des Vereins ist es, Bands, Duos und Solist:innen bestenfalls mit Skills und einem Netzwerk beim Start ins Musikbusiness zu unterstützen. Auch als Gemeinschaft sollen sie gestärkt werden. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Vereinzelung, sagt Tom, sieht er in Bands nämlich ein beispielhaftes Bekenntnis zu gemeinsamen Projekten, Zusammenarbeit und Kompromissen.


Richtiges Festivalfeeling kommt beim Finale des Bundeswettbewerbs auf, das seit einigen Jahren auf Schloss Hundisburg stattfindet. Über drei Tage entsteht auch unter den Landessieger:innen, die nach Hundisburg kommen, eine Gemeinschaft. Tagsüber sind die Teilnehmer:innen für letzte Workshops, Videodrehs und Aufnahmesessions unter sich, bevor sie abends die Bühne betreten. Im Publikum stehen dann Gäste aus Hundisburg und Aschersleben, mitgereiste Fans aus den Heimatorten der Teilnehmer:innen und die anderen Bands selbst und jubeln einander zu.

Aus dem Kreis der Teilnehmer:innen und dem Umfeld des Vereins ist schon so manch inzwischen bekannter Name hervorgegangen. Da wären Madsen, die in den Salzwedeler Vereinsproberäumen anfingen, die Stendaler Rockband Adolar, die beim Bundesfinale zwar nur den zweiten Platz machte, aber trotzdem erfolgreich wurde und natürlich Sachsen-Anhalts Popstars schlechthin, die Band Tokio Hotel. Damit soll aber noch lange nicht Schluss sein. Für nächstes Jahr sind bereits die Planungen zum 35. Jubiläum im Gange, das gebührend gefeiert werden soll. Zusätzlich soll es über Sachsen-Anhalt verteilt noch mehr Konzerte geben. Aber jetzt stehen erstmal die Landesentscheide an, bevor es Anfang September dann getreu des Vereinsmottos heißt: Ihr spielt die Musik!
Alle Infos gibt es hier.
Ein Text von Jonathan Hohmann.

