Location
Samuel Scheidt wurde dort getauft, Daniel Gottlob Türk wirkte als Kantor und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts diente sie 30 Jahre lang als Universitätskirche. Der hallesche Komponist Robert Franz bekleidete das Amt des Organisten und konzertierte im jetzigen Konzertsaal regelmäßig mit der von ihm geleiteten Singakademie.
Die ehemalige Pfarrkirche St. Ulrich im Zentrum von Halle (Saale), gelegen direkt an der FußFuß "Fuß" ist ein altes Längenmaß (etwa 30 cm), nach dem im Orgelbau die Pfeifenlänge angegeben wird. Aus der Länge der Pfeife resultiert die Tonhöhe. Eine Pfeife mit der Länge 16′ klingt eine Oktave tiefer als eine von 8′.gängerzone und unweit des Marktplatzes, kann eine jahrhundertelange musikalische Tradition vorweisen und gilt heute als bedeutender Veranstaltungsort insbesondere für Vokal- und Orgelmusik. Vor der Eröffnung der Georg-Friedrich-Händel-Halle im Jahr 1998 war die Ulrichskirche lange Zeit die einzige Konzerthalle in der Stadt. Etwa 150 öffentliche Konzerte im Jahr finden gegenwärtig in der Location statt, hinzu kommen Tagungen, Kongresse, Führungen und Ausstellungen.

Geschichte
Baulich gilt das spätgotische ehemalige Gotteshaus als Rarität. Die zweischiffige, asymmetrische Hallenkirche ohne Querschiff und Kirchturm wurde als Klosterkirche St. Maria ab 1339 für den in Halle ansässigen katholischen Servitenorden errichtet und im Jahr 1496 erstmals geweiht. Die Schlichtheit der Bauweise entsprach den Vorgaben des zur Armut verpflichteten Bettelordens. Doch schon vor der endgültigen Fertigstellung des Bauwerks wurde der Orden im Zuge der Reformation aufgelöst und der Sakralbau fiel im Jahr 1531 für 440 Jahre als Pfarrkirche an die hallesche Ulrichsgemeinde, deren ursprüngliche Kirche in der heutigen Kleinen Ulrichstraße von Kardinal Albrecht abgerissen worden war. Von 1715 bis zu seinem Tod 1727 war August Hermann Francke, Gründer der berühmten Franckeschen Stiftungen, Pfarrer an der Ulrichskirche. Johann Anastasius Freylinghausen, der Herausgeber des Freylinghausenschen Gesangbuchs, wurde sein Nachfolger.
Als im Jahr 1971 die Ulrichsgemeinde mit der Marktkirchengemeinde fusionierte, überließ sie den Kirchenbau der Stadt Halle im Rahmen eines kulturellen Nutzungsvertrages über 99 Jahre. Während der fünfjährigen Umbauzeit zur Konzerthalle wurden die barocken Emporen im Seitenschiff sowie Altar, Kanzel und Taufbecken entfernt. Altar und Taufbecken sind heute in der Magdeburger Wallonerkirche aufgestellt. Die ursprünglich ebenfalls dorthin gebrachte Kanzel ist seit 2000 in der Ulrichskirche auf dem Dachboden eingelagert. Bis 1976 entstand durch die Profanierung und Umgestaltung des Bauwerks ein viel genutzter Veranstaltungsort, der laut halleschem Stadtmarketing 470 Personen Platz bietet. Für Tagungen und Kongresse stehen neben dem Saal weitere Räume im ehemaligen Pfarrhaus zur Verfügung.
Zwischen 2001 und 2025 wurde die gesamte Außenfassade des historischen Gebäudes – mit längeren Unterbrechungen und in mehreren Abschnitten – für insgesamt ca. 6 Mio. Euro denkmalgerecht saniert, zu rund 60 % finanziert aus dem Förderprogramm städtebaulicher Denkmalschutz.
Musik
Die Konzerthalle Ulrichskirche wird als städtische Veranstaltungsstätte schwerpunktmäßig von Chören und anderen Ensembles aus der Region für Konzerte angemietet. Darüber hinaus nutzen Veranstalter die Räumlichkeiten als Location für Musikprogramme unterschiedlichster Genres wie Jazz, Gospel, Weltmusik, Rock und Pop.
Die Staatskapelle Halle lädt sechsmal im Jahr immer sonntags zur Kammermusikreihe „Klassik am Nachmittag“ in die Konzerthalle ein. Durch den Fund des Original-Programmheftes zum Eröffnungskonzert am 14. Mai 1976 in einem Archiv wurde es möglich, nach 50 Jahren in einem Jubiläumskonzert im April 2026 durch die Wiederaufnahme des damaligen Konzertprogramms an das Ereignis zu erinnern. Die Ulrichskirche ist zudem eine der Hauptspielstätten im Rahmen der jährlichen Händel-Festspiele sowie Veranstaltungsort beim MDR-Musiksommer.
Eine Besonderheit ist die im Jahr 1980 von der Firma Sauer (Frankfurt/Oder) gebaute große Konzertorgel mit 56 RegisternRegister Reihe von Pfeifen gleicher Klangfarbe und unterschiedlicher Tonhöhe, die über einen Registerzug als Ganzes an- und ausgeschaltet werden können. auf drei ManualenManual Klaviatur für die Hände. und PedalPedal Klaviatur für die Füße. im Chorraum der Kirche, die auch die Darbietung anspruchsvoller Orgelliteratur ermöglicht. Das Instrument wurde im Jahr 2019 generalüberholt und mit einer modernen Setzeranlage zur Speicherung verschiedener Klangkombinationen ausgestattet. Heute ist die Sauer-Orgel Übungs- und Prüfungsinstrument für die Studierenden der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik. Erhalten geblieben ist der barocke ProspektProspekt Schauseite der Orgel. der ehemaligen Förner-Orgel aus dem Jahr 1675 auf der Westempore.
Die Sauer-Orgel in der Konzerthalle Ulrichskirche ist regelmäßig Ziel der seit dem Reformationsjubiläum 2017 jährlich stattfindenden Orgel-Wandel-Wander-Tour durch Halle zum Reformationstag am 31. Oktober.
Quellen
Konzerthalle Ulrichskirche, Website der Stadt Halle (21.07.2026)
Konzerthalle Ulrichskirche, halle365 (21.07.2026)
Konzerthalle Ulrichskirche, Website Händel-Haus (21.07.2026)
Konzerthalle Ulrichskirche, Stadtmarketing (21.07.2026)
Orgel-Wandel-Wander-Tour durch Halle (Saale) am Reformationstag, Du bist Halle (21.07.2026)
50 Jahre Konzerthalle Ulrichskirche: Staatskapelle lässt Eröffnungskonzert neu aufleben, H@llAnzeiger vom 16.04.2026 (21.07.2026)
Fassadensanierung der Konzerthalle Ulrichskirche ist nun beendet, Presseportal der Stadt Halle vom 22.09.2025 (21.07.2026)
Holger Zürch (2024), Kirchen als Musiktempel – 1 von 3. Die Ulrichskirche Halle (Saale), Evangelischer Presseverband in Mitteldeutschland e.V., meine kirchenzeitung (21.07.2026)
Weitere Informationen und Kontakt
Website
Konzerthalle Ulrichskirche
Christian-Wolff-Straße 2
06108 Halle (Saale)
Telefon: 0345 221-3020